Schuldenstand

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Schuldenstand

Beitragvon jhmatz » 21.08.2018, 14:54

Wie es in den Kassen der Gemeinden des Saale-Holzland aussieht

Die Gemeinden im Saale-Holzland-Kreis tilgen weiter ihre Schulden. Bibra hat die geringste Pro-Kopf-Verschuldung.

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Einigen Gemeinden geht es wie Privatleuten: Sie haben schlicht kein Geld in der Tasche. Größere Städte hoffen darauf, dass sich mittelfristig die Investition in Gewerbegebiete auszahlen. Foto: Karolin Krämer

Saale-Holzland. Die Verbindlichkeiten im Saale-Holzland-Kreis sinken weiter. Zum Stichtag 31. Dezember 2018 lag der Schuldenstand in den Kernhaushalten insgesamt bei 86,94 Millionen Euro, geht aus den Zahlen des Thüringer Landesamtes für Statistik hervor. Vor sieben Jahren war dieser noch auf einer Höhe von 112,23 Millionen Euro, seitdem reduziert sich die Summe. Insgesamt sind 31 Kommunen vollkommen schuldenfrei.

Wer in Bibra im Reinstädter Grund lebt, kann sich rühmen, in einer am geringsten verschuldeten Gemeinden zu leben. Bei 2 Euro lag die Pro-Kopf-Verschuldung Ende 2017.

Also alles Paletti im knapp 260-Seelen-Ort im südlichen Saaletal bei Kahla? Nicht wirklich, erklärt Bürgermeister Udo Große. Natürlich sei man darüber glücklich, zumal die Gemeinde im kommenden Jahr die komplette Schuldenfreiheit anstrebe. Aber die abgebauten Verbindlichkeiten haben auch ihren Preis. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren kurz gehalten. Das geht aber nicht gut, weil der Verzicht auf Investitionen ein Verzicht auf die Zukunftsfähigkeit ist“, erläutert Große.

Sie verzichten auf eigene Gemeindearbeiter, sparten an der Beleuchtung und müssten immer wieder Projekte auf Eis legen. Marode Straßen oder die Erneuerung eines Spielplatzes können ohne Fördermittel nicht gestemmt werden. Nur durch das Engagement der Bürger entstehe vieles aus Eigeninitiative, lobt der Bürgermeister.

„Die Einnahmesituation der Gemeinde ist so gering, dass wir keine großen Sprünge machen können“, sagt er. So klingt es auch in anderen Gemeinden. Die Schlüsselzuweisungen des Landes sinken, dafür stieg die Kreisumlage in den vergangenen Jahren. Ein finanziell unsicherer Posten sei zudem die Kita-Umlage, die je nach Anzahl der in der Gemeinde betreuten Kinder schwankt. „Es ist sicherlich eine Investition in die Zukunft“, sagt Große, aber das Geld müsse auch bereitgestellt werden.

„Wir sind eine ländlicher Wohnstandort mit kleinen Gewerbe“, urteilt der Bürgermeister. Andere Städte und Gemeinden, die stärker an Bundesstraße und der Autobahn angeschlossen sind, nutzten dagegen diese verkehrsgünstige Lage, um größeres Gewerbe anzulocken.

Zum Beispiel die Stadt Kahla, die in den frühen 1990er Jahren das Gebiet Im Camisch erschließen ließ und seit 25 Jahren auch deswegen einen hohen Schuldenberg mit sich herumträgt. Die Tendenz ist aber positiv: Der Schuldenstand sank bis Ende vergangenen Jahres auf 8,43 Millionen Euro, 2010 waren es noch 17,79 Millionen Euro. Allerdings liegt in Kahla die Pro-Kopf-Verschuldung immer noch über dem Kreis-Durchschnitt bei 1222 Euro (Kreis: 1031).

Negativ sticht aus der Statistik Stadtroda hervor, dort stieg der Schuldenberg innerhalb von fünf Jahren um 3,59 Millionen Euro an. Grund dafür ist unter anderem das erschlossene Gewerbegebiet Bollberg, für das die Stadt seit Jahren die Kreditraten abstottert. 2015 kam ein weiterer Knick: Die Stadt musste einen Kredit aufnehmen, um die Verbindlichkeiten für die Entwicklungsgesellschaft Steg übernehmen. Die Kreditlast stieg auf 7,56 Millionen Euro zwischenzeitlich an. Seitdem sinkt der Schuldenberg aber wieder sukzessive, die Pro-Kopf-Verschuldung liegt bei 1190 Euro.

Negativer Spitzenreiter bei der Pro-Kopf-Verschuldung ist die Gemeinde Laasdorf südlich von Jena mit 3399 Euro. Auch dort wurde vor Jahren ein Gewerbegebiet ausgewiesen und ein Millionenkredit aufgenommen. Die zuvor unverschuldete Gemeinde kam in Nöte. Bei gerade einmal gut 500 Einwohnern liegt die Schuldenlast bei 1,94 Millionen Euro. „Grundsätzlich war es eine gute Idee, das Gewerbegebiet anzulegen“, sagt Bürgermeister Jürgen Bösemann. Das Problem liege im Thüringer Finanzausgleich: Die Gemeinde gelte durch die hohen Gewerbesteuereinnahmen als reich und muss Steuereinnahmen ins Säckel des Freistaates abgeben. „Das ist ein Widerspruch, der zum Himmel schreit“, echauffiert er sich.

Die Gemeinde, die in der Haushaltssicherung steckt, muss an allen Ecken sparen, die Schulden sinken. Die Hoffnung ist hier wie anderswo: Dass sich das Gewerbegebiet mittelfristig auszahlt.

Im Vergleich zur Stadt Jena hat der Saale-Holzland-Kreis eine schlechte Schuldenbilanz. In der Saalestadt liegt die der Schuldenstand je Einwohner bei nur 183 Euro. Die relativ wohlhabende Stadt generiert große Einnahmen über die Gewerbe- und Einkommenssteuer, Überschüsse aus dem Eigenbetriebs Kommunale Immobilien Jena und der Stadtwerke Jena GmbH fließen zudem in den Schuldenabbau ein.

Thüringenweit gesehen ist die Pro-Kopf-Verschuldung ebenfalls niedriger (808 Euro), auf dem Freistaat hat zum Stichtag Ende 2017 insgesamt Schulden über 1,74 Milliarden Euro.

Pro-Kopf-Verschuldung der Gemeinden im Saale-Holzland (2017)

Kahla: 1222 Euro

Stadt Stadtroda: 1190 Euro

Stadt Bürgel: 1531 Euro

Stadt Eisenberg: 607 Euro

Stadt Bad Klosterlausnitz: 561 Euro

Stadt Dornburg-Camburg: 7551 Euro

Stadt Hermsdorf: 632 Euro

Stadt Schkölen: 256 Euro

Stadt Orlamünde: 965 Euro

Altenberga: 8 Euro

Bibra: 2 Euro

Bucha: 1173 Euro

Eichenberg: 978 Euro

Freienorla: 52 Euro

Großeutersdorf: 180 Euro

Großpürschütz: 11 Euro

Gumperda: 54 Euro

Hummelshain: 191 Euro

Kleineutersdorf: 308 Euro

Laasdorf: 3399 Euro

Milda: 554 Euro

Reinstädt: 315 Euro

Rothenstein: 864 Euro

Seitenroda: 33 Euro

Zöllnitz: 534 Euro

Golmsdorf: 383 Euro

Hainichen: 290 Euro

Jenalöbnitz: 43 Euro

Lehesten: 286 Euro

Neuengönna: 249 Euro

Zimmern: 218 Euro

Hainspitz: 333 Euro

Petersberg: 325 Euro

Albersdorf: 76 Euro

Bobeck: 224 Euro

Scheiditz: 79 Euro

Schlöben: 175 Euro

Schöngleina: 441 Euro

Serba: 66 Euro

Weißenborn: 228 Euro

Crossen/Elster: 501 Euro

Hartmannsdorf: 755 Euro

Heideland: 537 Euro

Rauda: 317 Euro

Walpernhain: 988 Euro

Eineborn: 820 Euro

Großbockedra: 157 Euro

Kleinebersdorf: 255 Euro

Lippersdorf-Erdmannsdorf: 2020 Euro

Rattelsdorf: 887 Euro

Rausdorf: 117 Euro

Renthendorf: 190 Euro

Tautendorf: 69 Euro

Trockenborn-Wolfersdorf: 167 Euro

Tröbnitz: 509 Euro

Waltersdorf: 554 Euro

Weißbach: 457 Euro

Reichenbach: 712 Euro

St. Gangloff: 1845 Euro

Alle anderen Gemeinden: vollkommen schuldenfrei


OTZ Katja Dörn / 21.08.18
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