sowas gibts auch - Freiwild

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sowas gibts auch - Freiwild

Beitragvon jhmatz » 19.11.2013, 16:06

Nach Drohungen und Beleidigungen: Media-Markt Jena sagt Auftritt von Freiwild ab

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Andreas Blasche ist im Media-Markt Jena Bereichsleiter für Tonträger. Foto: Lutz Prager

Eigentlich wurden für Freitag Hunderte Fans erwartet, doch nun sagt der Elektronikmarkt an der Stadtrodaer Straße Kurzauftritt und Autogrammstunde der Band "Frei.Wild" aus Südtirol wegen Sicherheitsbedenken ab.

Jena. Matthias Klüber und Andreas Blasche haben die Notbremse gezogen. Der für diesen Freitag im Media-Markt Jena ­angekündigte Kurzauftritt der Band "Frei.Wild" zum Deutschlandstart ihres neuen Albums ist abgesagt. Der Geschäftsführer und sein für Musik und Videos zuständiger Bereichsleiter ­haben damit auf Bedenken der Jenaer Polizei reagiert.

Die vor allem bei jungen Männern zwischen 16 und 19 Jahren populäre Heavy-Metal-Combo aus Südtirol ist nicht unumstritten. Kritiker sagen, ihre Texte seien völkisch und nationalistisch. Anfang März diesen Jahres war "Frei.Wild" nach Protesten von der Nominierungsliste des Echo-Musikpreises geflogen. Trotz des kommerziellen Erfolgs eines 2012 erschienenen Albums. Für den Musikwissenschaftler Thorsten Hindrichs von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die Band aus Brixen zwar keine offen ­faschistische Gruppe. Aber sie verbreite massentauglichen, latent völkischen Nationalismus.

Dass sie Begriffe wie "Heimat" und "Patriotismus" in ihren Liedern inflationär verwenden, schieben die Mitglieder der Band auf ihre Herkunft: "Wir kommen aus Südtirol, da bedeutet das etwas Positives - weit weg von irgendwelchen stumpfen Parolen", sagte Phillip Burger der "Süddeutschen Zeitung". Die Band wird nicht müde zu betonen, dass sie sich klar von rechtsextremem Gedankengut distanziere. Auch habe man das Sicherheitspersonal angewiesen, Konzertbesucher nach Hause zu schicken, die rechte Symbolik tragen.

Der bis heute unentschiedene Streit zwischen Freiheit der Kunst und Rechtsrock ist nun auch in Jena angekommen. Seit bekannt ist, dass Frei.Wild zum Start des neuen Albums im Media-Markt an der Stadtrodaer Straße auftritt, ­bekommt der Markt E-Mails in denen die Mitarbeiter als Nazis beschimpft werden. "Der Höhepunkt ist der Auftritt eines jungen Mannes im Markt gewesen, der unsere Kolleginnen an der Information mit Nazischweine und Verbrecher titulierte und unser 33-Monate-Finanzierungsangebot als versteckte Anspielung auf 1933 bezeichnete", sagt Andreas Blasche. Soviel Intoleranz in einer Stadt wie Jena ist für ihn erschreckend. "Es kann ja jeder seine Meinung haben und sie auch ­äußern, aber doch nicht andere beleidigen und bedrohen", so Blasche. Die Aufregung um die Band kann der Musik-Verkäufer ohnehin nicht verstehen. "Das Album ist von den zuständigen Stellen geprüft worden und es gibt keine jugendgefährdenden Texte", sagt Blasche. Das Publikum seien auch keine Neonazis, sondern Metal-Fans wie bei den jährlichen Wacken-Festivals. Und überhaupt: Eine große Handelskette wie Media-Markt/Saturn würde niemals eine zwielichtige Band auftreten lassen. Das sei in der Zentrale in Ingolstadt mehrfach geprüft worden.

Dennoch hat sich sogar ein Landtagsmitglied aus Thüringen eingeschaltet. Dirk Adams , innenpolitischer Sprecher der Grünen, schrieb an Marktleiter Matthias Klüber einen offiziellen Brief, in dem er ihn aufforderte, "Frei.Wild" nicht auftreten zu lassen. Über diese Ein­mischung in geschäftliche Angelegenheiten seitens der Politik ist die Marktleitung wenig ­amüsiert. "Ausgerechnet die Grünen, die sonst vorgeben, die Toleranz mit Löffeln gegessen zu haben, legen ein Gebaren wie früher die DDR-Funktionäre an den Tag", sagt Blasche ärgerlich.

Der Landtagsabgeordnete aus Nordhausen wunderte sich gestern in einem Gespräch mit unserer Zeitung darüber, dass sein Brief so negativ aufgenommen worden ist. "Ich wollte ­lediglich freundlich darauf ­hinweisen, dass die Band nicht ganz unproblematisch ist", sagte Adams. Er freue sich aber ­­darüber, dass die Media-Markt-Gruppe die Veranstaltung ­inzwischen abgesagt habe.

"Wir haben uns da leider ­­linken Krawallmachern beugen müssen, die im Internet Stimmung gegen uns gemacht haben und mit einer Demo drohten", sagt Blasche. Nach Rücksprache mit der Polizei sei die Entscheidung gefallen, da für ­Mitarbeiter und Kunden keine ­Sicherheit garantiert werden könne. Auf Anfrage unserer Zeitung teilte die Jenaer Polizei mit, dass die Absage "eine alleinige Entscheidung des Media-Marktes sei, keine polizeiliche".

Andreas Blasche bedauert, dass am Freitag voraussichtlich viele enttäuschte Fans vor der Tür stehen werden. Von dem für den geplatzten Auftritt in den Sand gesetzten Geld will er ­lieber nicht reden.


Lutz Prager / 19.11.13 / OTZ
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