Kühne Recken im Turnierfieber

Hier kann alles rein, was im Grunde nix mit Crossen zu tun hat

Kühne Recken im Turnierfieber

Beitragvon hossa21 » 04.04.2013, 06:12

Trotz des Schnees und der Kälte besuchen Mittelalterfans die Ritterspiele auf der Burg Rabenstein im Fläming
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POTSDAM - Der Geruch von verbranntem Holz liegt in der Luft. Hammerschläge dröhnen über den verschneiten Platz der Burg Rabenstein in der Gemeinde Fläming (Potsdam Mittelmark). Dazu mischen sich Klänge von Dudelsack, Trommel, Drehleier und Zitter. Eine Musikantentruppe steht in mittelalterlichen Kostümen auf einer Holzbühne. Sie spielt mittelalterliche Lieder für die Besucher, die sich an diesem Osterwochenende die Ritterspiele angucken.

Allerdings stimmen Kälte und Schnee eher auf ein zweites Weihnachtsfest ein als auf Frühling und ein buntes Spektakel im Freien. Das weiß auch Peggy Schindler, Veranstaltungsleiterin der Agentur Neuland Zeitreisen, die zum 19. Mal das Mittelalter-Spektakel organisiert. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir in der Vergangenheit jemals so viel Schnee hatten. Höchstens etwas Schneeregen“, sagt sie und zupft ihre Wollmütze zurecht. Trotz der schlechten Witterung hofft sie, dass an diesem Wochenende insgesamt 12 000 Besucher kommen werden – so wie im vergangenen Jahr.

Entlang des Reitplatzes, auf dem die waghalsigen Turniere unter den Rittern mit ihren Rössern ausgetragen werden, haben sich Händler und Handwerker mit ihren Holzbuden platziert. Insgesamt gibt es 70 Stände an denen unter anderem Bratwürste, selbstgebackenes Brot, Met, Schmuck, Waffen, mittelalterliche Kleidung und Kinderholzspielzeug feil geboten werden. Die Besucherzahl ist noch überschaubar. Kein dichtes Drängen oder langsames Vorankommen. Nur als zum ersten Mal die Ritter der Truppe „Berkanan“ mit ihren geschmückten Pferden auf den Turnierplatz reiten, bilden sich kleine Menschentrauben auf den Besucherrängen. Sie alle wollen sehen, welcher der drei Recken am geschicktesten im Axtwerfen, Ringestechen und Bogenschießen ist. Auf einem großen Rechenschieber aus Holz werden die erzielten Punkte bei den Disziplinen festgehalten. Dafür lässt der Herold, der den Wettkampf in altertümlicher Sprache kommentiert, ein „Weib, das zählen kann“ aus dem Publikum holen. Die Wahl fällt dabei auf eine junge blonde Berlinerin.

Auch wenn der Andrang am gestrigen Eröffnungstag ausbleibt, sind die Händler und Handwerker fröhlicher Stimmung. Eine Filzkünstlerin zeigt bunte Kindercapes mit Holzknöpfen, ein Scheibentöpfermeister bietet kleine Öllampen und Metbecher feil. Wirklich außergewöhnliche, handgefertigte Gegenstände bietet der Medikus in der Burgscheune an. Mit Bürgerlichem Namen heißt er Jürgen Fuchs und kommt aus Crossen an der Elster in Thüringen. Er bastelt Windlichter für die Fensterbank oder den Schreibtisch aus Schweinsblasen, die nach Wunsch auch gefärbt sind.

Das Ehepaar Rolf und Gabriele Hennig aus Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt kommt öfters zu den Ritterspielen auf Burg Rabenstein. Statt Skijacke und Winterboots tragen beide stilechte Mittelalterkleidung wie lange Umhänge mit goldenen Broschen und Kopfbedeckungen. Man merkt sofort, dass ihnen Authentizität wichtig ist. „Wir lassen unsere Kleidung bei einem Schneider anfertigen, der auf solche Gewänder spezialisiert ist“, sagt die 56-Jährige. Da sei es ihnen auch egal, ob sie bei solch einem Wettern das Frösteln kriegen.

Die Ritterspiele finden noch bis 1. April, 10 bis 20 Uhr statt. Erwachsene zahlen 12 Euro Eintritt, Kinder 9 Euro, http://www.neuland-zeitreisen.de (Von Anne Stephanie Wildermann)

(Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de vom 30.03.13)
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