Piraten in Thüringen

Hier kann alles rein, was im Grunde nix mit Crossen zu tun hat

Piraten in Thüringen

Beitragvon jhmatz » 28.03.2012, 06:46

Piratenpartei hat sich in Thüringen etabliert

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Susanne Graf aus Mühlhausen ist die prominenteste Piratin aus Thüringen. Sie zog 2011 als jüngstes Mitglied in das Berliner Abgeordnetenhauses ein. Hier steht sie vor der Weltzeituhr am Berliner Alexanderplatz. Foto: Martin Zenge

Die Thüringer Piraten haben binnen eines halben Jahres ihre Mitgliederzahl mehr als verdoppelt. Bei den Kommunalwahlen greifen sie erstmals an. Sie rechnen sich vor allem in der Universitätsstadt Ilmenau große Chancen aus. Aber auch in Erfurt kandidiert ein Pirat.


Erfurt. Am Montagabend versammelte sich die Parteispitze der Thüringer Piraten. Man traf sich, wie meist, im Internet.

Mit dem Programm "Mumble" - auf Deutsch "murmeln" - schalteten sich die drei Vorstandsmitglieder und sieben Gäste zusammen.

Das Programm erlaubt, miteinander über das Netz zu telefonieren und gleichzeitig Dokumente auszutauschen und zu ändern. Und so führten auch alle gemeinsam das Protokoll, das sich bereits am Dienstag auf der Internetseite der Partei fand.

Als einer der ersten Tagesordnungspunkte wurde der aktuelle Mitgliederbestand verkündet. Derzeit gibt es 451 ordentlich angemeldete Piraten in fünf Kreisverbänden, zehn Neuanträge liegen vor.

Zum Vergleich: Vor einem halben Jahr gab es nur 185 Piraten in Thüringen und gerade einmal zwei Kreisverbände. Damit hat der Landesverband, der erst seit knapp drei Jahren existiert, die hiesigen Grünen fast eingeholt, die es in zwei Jahrzehnten gerade einmal über 500 Mitglieder brachten.

Jetzt, nach der Saarland-Wahl, könnte sich das Wachstum nochmals beschleunigen. Das sagt zumindest Bernd Schreiner, der Vorsitzende der Landespartei. Die 7,4 Prozent vom letzten Sonntag hätten gezeigt, "dass wir eben keine Großstadtpartei sind sondern auch auf dem flachen Land gewinnen".

Doch die nächste Landtagswahl ist, falls die Koalition nicht früher platzt, erst in gut zwei Jahren. Die Wahl der Landräte und mehr als 100 hauptamtlicher Bürgermeister findet dagegen schon in dreieinhalb Wochen statt.

Glaubt man dem Protokoll der montäglichen Vorstandssitzung, wurde das saarländische Ergebnis kaum reflektiert. Es ging sehr schnell um den laufenden Kommunalwahlkampf - und ums Geld.

Genau 17.130,72 Euro lagen am Montag auf dem Konto der Landespartei, und alle wollen etwas für ihren Wahlkampf haben. So beantragte der Verband des Ilmkreises 2000 Euro, um den Ilmenauer Piraten Daniel Schultheiß zu unterstützen.

Doch Schatzmeisterin Irmgard Schwenteck lehnte ab, und Landeschef Schreiner empfahl stattdessen, "den Hype" auszunutzen und mehr Spenden zu sammeln.

Doch ob der Hype ausreichen wird, auch nur einen Kandidaten der Piraten in einem Rathaus oder Landratsamt zu installieren? Zumindest Schultheiß, sagt Landeschef Schreiner, könnte es schaffen, zumal er von einem Bündnis von Linken, Grünen und Bürgerinitiativen unterstützt werde.

"Pro Bockwurst" tritt für Bürgerbeteiligung ein

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Daniel Schultheiß tritt zur Oberbürgermeisterwahl in Ilmenau an. Foto: Candy Welz

Schultheiß, Jahrgang 1980, sorgte schon 2009 für eine Überraschung, als er für den Verein "Pro Bockwurst" in den Ilmenauer Stadtrat einzog. Dabei führt der Name der Initiative in die Irre. Der promovierte Kommunikationswissenschaftler streitet für mehr Bürgerbeteiligung und hat ansonsten recht unaufgeregte Vorstellungen von Kommunalpolitik. Er propagiert eine bessere Infrastruktur, mehr Anreize für Zuwanderung und eine effizientere Wirtschaftsförderung.

Während es also Schultheiß in Ilmenau gegen den ewigen Oberbürgermeister Gerd-Michael Seeber (CDU) in die Stichwahlen schaffen könnte, gilt dies für den Rest der wenigen Orte, in denen die Piraten für sich werben, für nahezu ausgeschlossen.

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Peter Brückner bewirbt sich als Erfurtrs Oberbürgermeister. Foto: Marco Schmidt

In Erfurt tritt der parteilose Ingenieur Peter Brückner an, der in einer offenen Abstimmung von Parteimitgliedern und Bürgern ausgewählt wurde. Er muss nicht nur gegen den amtierenden Oberbürgermeister von der SPD antreten, sondern auch gegen Kandidaten von Linke, FDP, Grünen und einen Parteilosen. Aber immerhin, für Brückner wurden schon 300 Plakate geklebt.

In Jena, wo die meisten Studenten wohnen, die zur Hauptzielgruppe der Piraten gehören, besitzen sie keinen eigenen Kandidaten. Sie unterstützen einen parteilosen Bewerber.

Ansonsten, sagt Schreiner, gebe es noch in Altenburg und Gera Überlegungen, unabhängige Kandidaten zu unterstützen. Und, er habe von einem Kandidaten "in der Region von Tabarz" gehört, der als Pirat antrete. Ob der Mann wirklich Parteimitglied sei, wisse er allerdings nicht.

Er habe, so sagt der Landesvorsitzende, aus Gründen des Datenschutzes keinen Zugriff auf die Mitgliederdatei.


Martin Debes / 28.03.12 / TA
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