Ungleichgewicht Region Erfurt und Ostthüringen

Hier kann alles rein, was im Grunde nix mit Crossen zu tun hat

Ungleichgewicht Region Erfurt und Ostthüringen

Beitragvon jhmatz » 12.11.2011, 18:02

Gute Wohnungen in Thüringen kaum noch zu haben

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Eine der teuersten Wohnlagen Thüringens ist die Erfurter Altstadt. Im Umfeld des Angers (im Bildvordergrund zu sehen) kosten gute Wohnungen nicht selten rund 1500 Euro Warmmiete. Die Nachfrage ist seit Jahren größer als das Angebot. Foto: Alexander Volkmann

Eine starke Nachfrage nach teuren Wohnungen in gefragten Lagen Jenas, Erfurts oder Weimars hat zu ersten Mangelerscheinungen geführt.

Erfurt. "Wenn 20 Manager in Erfurt heute auf einen Schlag eine richtig gute Wohnung wollen, dann können wir ihnen nicht helfen", sagte der Landeschef des Immobilienverbandes IVD Stephan Höfig gestern in Erfurt. Der Markt für gehobene Immobilien sei inzwischen leer gefegt.

Ein Hauptgrund für die Verknappung von teurem Wohnraum ist der wirtschaftliche Ansiedlungserfolg Thüringens.
(Mit Thüringen ist sicher Erfurt gemeint! - Anmerkung J-H. Matz)
Allein im Herbst haben neun Unternehmen rund 3000 neue Arbeitsplätze geschaffen, sagt der Chef der Landesentwicklungsgesellschaft, Andreas Krey. Damit verbunden ist die Übersiedlung von Hunderten gut bezahlten Managern nach Thüringen. Krey erwartet, dass die "Welle an Investoren" noch zwei Jahre anhält und auf den Markt für Wohnungen und Häuser ausstrahlt.

Die teuersten Immobilien werden laut Verband nach wie vor in Jena verkauft. Hier kostet ein frei stehendes Einfamilienhaus in Spitzenlagen nach dem aktuellen Thüringer Preisspiegel eine halbe Million Euro. Eine Eigentumswohnung ist in bester Lage Jenas für 2900 Euro je Quadratmeter zu haben, während die Miete im oberen Bereich und bei Erstbezug durchaus zehn Euro betragen kann.

Am preiswertesten ist das Wohnen in Thüringen in Dingelstädt, wo die Spitzenmieten bei fünf Euro je Quadratmeter liegen und eine gute Eigentumswohnung bereits für 1000 Euro je Quadratmeter zu haben ist.

Zu den Gewinnern am Immobilienmarkt gehören inzwischen auch Arnstadt und Nordhausen. Arnstadt profitiert von den Ansiedlungen am Erfurter Kreuz, Nordhausen von der besseren Anbindung an die Autobahn. "Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass sich beide Städte von einem niedrigen Niveau aus nach oben bewegen", sagt IVD-Landeschef.

Verlierer sind abgelegene ländliche Gebiete. Trotz kaum zu beobachtender Bautätigkeit liegen die Preise nahezu unverändert auf dem niedrigen Niveau der Vorjahre.

Mit dem Blick nach vorn erwartet der Immobilienverband eine Beruhigung des Marktes "auf hohem Niveau".

Ein Lichtblick für Familien mit Kindern: Gebrauchte Wohnhäuser auf dem Lande sind oft sehr preiswert.

Maklerin: "Jede Provision wird gezahlt"
Knapper Wohnraum oder drohender Leerstand - werden Experten zur Wohnungssituation in Thüringen befragt, bewegen sich die Antworten zwischen diesen beiden Polen. Ein Widerspruch ist das jedoch nur scheinbar, denn die Aussagen haben beide ihre Berechtigung. Es kommt nur auf die Perspektive an.

Manja Gerlach hat einige Zeit in London verbracht. In diesem Jahr kam die Thüringerin zurück in ihre Heimat, angelockt durch eine Stelle an der Uni Jena.

Eine Bleibe musste her, und da der Jenaer Talkessel bekanntermaßen ein schwieriges Pflaster für Wohnungsuchende ist, sah sie sich in Weimar um. Die 31-Jährige wählte die vermeintlich bequeme Lösung - ein Maklerbüro sollte es richten.

Und tatsächlich: Nach einiger Zeit war eine schöne Wohnung gefunden. Doch um ihre Chancen zu erhöhen, den Zuschlag zu erhalten, musste sich die junge Frau einem Fragenkatalog stellen, der jedem Verhörspezialisten zur Ehre gereicht hätte: die Offenlegung von Beruf und Einkommen der Eltern; deren Bürgschaft, falls Gerlachs befristete Uni-Stelle nicht verlängert würde; ein Motivationsschreiben; die Verpflichtung, eine Mindestmietdauer von drei Jahren einzugehen.

All das musste Gerlach ihrem Makler vorlegen, um überhaupt eine Chance zu haben. Dazu der Hinweis "Schreiben Sie bloß nicht letzter Wohnort London. Schreiben Sie besser, Sie kommen aus der Region."

So viel Selbstentblößung, nur um eine Wohnung im Zentrum von Thüringen zu bekommen? Dem Land, dem Demografie-Experten einen Bevölkerungsrückgang existenziellen Ausmaßes vorhersagen?

Rainer Nowak, Referent beim Verband der Thüringer Wohnungswirtschaft, versucht sich an einer Erklärung: In der Tat sei im ländlichen Raum und in vielen kleineren und mittelgroßen Städten künftig mit sinkenden Einwohnerzahlen und leerstehenden Wohnungen zu rechnen - obwohl in den letzten Jahren viele Plattenbauten abgerissen wurden.

Tatsächlich gibt es in Thüringen schon jetzt einen Leerstand von 8,3 Prozent. Ganz anders sieht es dagegen im sogenannten Speckgürtel um die A 4 aus. "Erfurt hat die Wirtschaft, Weimar die Kultur, Jena die Wissenschaft", zählt Nowak die Gründe auf, warum in diesen Städten guter Wohnraum knapp und begehrt ist.

Mit deutlichen Abstrichen gehören auch Nordhausen und Bad Salzungen zu Orten, an denen der Wohnungsmarkt derzeit anzieht.

Gera hingegen, obwohl ebenfalls an der A 4 gelegen, gehört schon nicht mehr dazu. In der drittgrößten Stadt im Freistaat ist, genauso wie in Hermsdorf oder Stadtroda, der Wunsch da, von der angespannten Marktlage in den beliebten Nachbar-städten zu profitieren. Doch noch sind die wenigsten Wohnungsuchenden zu einem Umzug hierher bereit.

Ähnliches lässt sich bei dem begehrten Dreiergespann auch innerstädtisch beobachten. Das Verlangen nach einer bezahlbaren Zweiraumwohnung, laut Nowak nach wie vor das beliebteste Mietobjekt, führt keineswegs dazu, dass auch Neubaugebiete wie der Erfurter Norden mit seinen zahlreichen Plattenbauten plötzlich ausgebucht wären.

Stephan Höfig, Thüringer Landeschef des Immobilienverbands IVD, spricht sogar von einer Art innerstädtischen Migration. "Genauso wie die Zuwanderung nach Erfurt zu Lasten anderer Thüringer Regionen geht, wandern die Menschen auch in den Städten aus schlechteren Vierteln in bessere ab", so der Verbandschef.

Gleichzeitig werden die bei Studenten aus Kostengründen beliebten un- oder nur teilweise sanierten Altbauwohnungen immer rarer. "Bei preiswertem Wohnraum in der Innenstadt siehts ganz schön dünn aus. Die Preise schießen ganz schön nach oben", weiß Hans-Günter Wicher, Berater beim Mieterverein Erfurt.

Besonders dramatisch ist es jetzt zu Semesterbeginn, wo zahlreiche Studenten - viele auch aus Bundesländern mit in diesem Jahr einmalig doppelten Abschlussklassen - in die Thüringer Uni-Städte drängen. "Alles geht sofort weg - zu horrenden Preisen", berichtet Evelyn Sok-Lämmerhirt vom Immobilienmakler Remax.

Schlimmer als in Erfurt sei es nur noch in Jena, so die Immobilienkauffrau. "Da wird jede Provision gezahlt."


Dietmar Grosser und Felix Voigt / 03.11.11 / TA

PS: Ja ja, die Manager aus Erfurt sind schon Arm Dran
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Metropolregion Erfurt ! - das ist für ostthüren wichtig

Beitragvon jhmatz » 30.11.2011, 07:50

Erfurt wird zum ICE-Knoten

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Bei Altenfeld im Thüringer Wald wurde gestern der Durchschlag im zweitlängsten Tunnel der ICE-Neubaustrecke zünftig gefeiert. Den echten Durchschlag gab es nur auf der Leinwand zu sehen. Foto: Ralf Ehrlich

Der Erfurter Hauptbahnhof wird ab dem Jahr 2017 zur Drehscheibe für den ICE-Verkehr in alle Himmelsrichtungen. Im Thüringer Wald wurde am Dienstag wieder einmal gefeiert: Unweit von Altenfeld erfolgte der Durchschlag für den mit mehr als sieben Kilometern zweitlängsten Tunnel der künftigen ICE-Trasse BerlinMünchen über Erfurt.

Erfurt. Mit diesem Durchschlag des Tunnels am Silberberg komme man der Inbetriebnahme der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke von Italien nach Skandinavien einen großen Schritt näher, zeigte sich Thüringens Verkehrsminister Christian Carius (CDU) erfeut.

"Ab 2017 wird die Metropolregion Mitteldeutschland durch den ICE-Knoten in Erfurt noch besser mit den Metropolregionen Berlin, München und Frankfurt verknüpft sein", sagte Carius bei der Feier.

"Erfurt wird künftig zum ICE-Drehkreuz in Deutschland", so Carius weiter. "Stündlich werden sich ab 2017 vier ICE-Züge aus allen Himmelsrichtungen in Thüringen treffen und die schnelle Weiterfahrt in den Norden, Süden, Westen und Osten Deutschlands ermöglichen", so der Minister.

München und Frankfurt würden dann nur noch zweieinhalb Stunden entfernt sein. Berlin sei in 1.40 Stunden erreichbar.

"Durch ein neues System schneller und gut vertakteter Express-Linien werden wir die Metropolregionen auch mit allen Thüringer Landesteilen verbinden", sagte Carius. Diese neuen Verbindungen sind in der jüngsten Ausschreibung des Elektro-Netzes Saale-Thüringen-Südharz vorgegeben. Dieses Netz verknüpft Erfurt, Jena, Weimar, Nordhausen, Kassel und Halle/Leipzig. Expresslinien mit fernverkehrsähnlichen Standards in Komfort und Service sollen demnach Jena, Weimar und die Nordthüringer Region eng mit den Fernverkehrsknoten Erfurt, Leipzig und Halle verknüpfen, heißt es in der Ausschreibung.

Erste Arbeiten an der inneren Betonschale
Im Thüringer Wald sind unterdessen mit dem jetzt erfolgten Durchschlag am Tunnel Silberberg fast alle großen Röhren bereits durchbrochen. Der letzte und vierzehnte Tunneldurchschlag in Thüringen werde Anfang kommenden Jahres für den im Süden anschließenden Tunnel Fleckberg erwartet, bestätigte die Bahn gestern.

Alle 25 Tunnel des 230 Kilometer langen Neubauabschnittes von Ebensfeld über Erfurt bis Leipzig/Halle mit etwa 56 Kilometern Gesamtlänge befänden sich im Vortrieb, seien durchgeschlagen, im Innenausbau oder bereits rohbaufertig. Gestern begann am Tunnel Silberberg im Nordbereich bereits die nächste Bauetappe. Hier erhält der Tunnel seine innere Betonschale, in der dann die Züge fahren werden. Die Einzelinvestition in den Tunnel Silberberg beträgt laut Volker Hädrich, Bahn-Konzernbevollmächtigter für Thüringen, etwa 200 Millionen Euro. Der Silberberg-Tunnel ist mit 7391 Metern nach dem Tunnel im Bleßberg (8314 m) der zweitlängste der ICE-Neubaustrecke.

Bernd Jentsch / 30.11.11 / TA

PS: Der Verkehrsminister soll uns mal den ICE zeigen der Richtung OSTEN Thüringens fährt, da ja selbst Jena, was ja nur östlich von Erfurt ist, vom ICE abgekoppelt wird. Geschweige denn ein ICE richtung Gera !
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Erfurt boomt

Beitragvon jhmatz » 30.12.2011, 11:11

Hohe Nachfrage nach Verkaufsflächen: Erfurt boomt

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Heinz-Jochen Spilker, Chef des City-Management-Vereins.

Morgen tritt das neue Thüringer Ladenöffnungsgesetz in Kraft. Heinz-Jochen Spilker sieht es mit gemischten Gefühlen. Der Vorsitzende des Vereins "City Management" hatte mit seinen Mitstreitern um einen fünften verkaufsoffenen Sonntag für Erfurt gekämpft, der nach Weihnachten und vor Silvester liegen sollte. Tage, an denen es in Erfurt brodelt.

Erfurt. Aber es wurde abgelehnt. Das Gesetz sieht zudem vor, dass Arbeitnehmer künftig nur noch an zwei Samstagen im Monat statt bisher drei arbeiten dürfen beziehungsweise müssen. "Ohne Übergangsregelung stürzt das jetzt langfristige Planungen der Einzelhändler ins Chaos, zudem greift das Gesetz hier in bestehende Tarifverträge ein", kritisiert Spilker.

Gut hingegen findet er die Regelung, dass der verkaufsoffene erste Adventssonntag auch am zweiten Adventssonntag möglich wäre. "Erfurt kann sich so besser mit den Nachbarstädten absprechen", erklärt Spilker.

Apropos Weihnachtsshopping: Erfurt habe wieder gezeigt, dass es die Thüringer Einkaufsstadt Nummer 1 ist. "Weil Erfurt ein einmaliges Flaniererlebnis bietet dank der Bausubstanz und der Besonderheit einer ringförmigen Shoppingmeile." Die Wiederkehrquote sei, so Spilker, sehr hoch. Auch die Spangen dazwischen, die kleinen Nebengassen, die jahrelang eher Stiefkinder waren, würden sich laut Spilker gut füllen und entwickeln. "Hier eröffnen viele Einheimische kleine Boutiquen, die gut angenommen werden. Es gibt kaum noch Leerstand." Ebenso das Sorgenkind "Westliches Angerende" entwickele sich gut. Ruinöse Ecken wie der Parkplatz in der Borngasse seien, so Spilker, kein Highlight. "Das vegetiert da vor sich hin, da muss 'was geschehen." Geschehen könnte auch 'was im ehemaligen Buch-Habel-Gebäude. Doch die Preisvorstellungen des Besitzers seien zu hoch, berichtet Spilker.

Fläche wird gebraucht: "Die Nachfrage der Einzelhandelskonzerne ist hoch. Das Angebot an Flächen gilt als zu gering", weiß Spilker. Gespräche mit Marken, die eigentlich nur Städte mit mehr als 500.000 Einwohnern ins Auge fassen, würden laufen. "Zara" hatte sich lange geziert, aber dann doch für Erfurt entschieden und sei heute sehr zufrieden mit dem Standort. "P & C wäre ein Traum", so Spilker, der weitere Namen nicht nennen will außer: "Marken, die es in Thüringen noch nicht gibt." Erfurt komme hier zugute, dass die Stadt an sich stark wachse und die Kaufkraft wieder langsam steige.

Weitere Läden, weitere Kunden - das bringt Spilker zum Thema Parkhäuser. "Worüber schon lange diskutiert wird, sollte endlich gebaut werden." Er meint die Parkhaus-Pläne für die Reglermauer und die Neuwerkstraße. "Die Leute wollen nahe der Läden parken. Diese Parkflächen werden dringend gebraucht."

Dass Erfurt eine sehr beliebte Einkaufscity geworden ist, würde die Stadt an sich zu wenig beachten, findet der Vorsitzende des City-Management-Vereins: "Erfurt muss sich besser inszenieren. Die Weihnachtsbeleuchtung war enttäuschend. Hier ist mehr Privatinitiative gefragt. Häuser könnten illuminiert werden. Der Petersberg sollte angestrahlt werden."

Hohe Nachfrage nach Wohnraum in Erfurt lässt Preise steigen

Nicole Richter / 30.12.11 / TLZ
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