Nickelsdorfer Rittergut

Dieser Teil des Forums ist für allgemeine Diskussionen rund um Crossen gedacht.

Bioenergieregion Jena-Saale-Holzland

Beitragvon jhmatz » 04.07.2015, 10:18

Bioenergieregion Jena-Saale-Holzland: Imagewandel geschafft, Ziele noch nicht ganz

Nach sechs Jahren Förderung zieht die Bioenergieregion Jena-Saale-Holzland Bilanz. Und hofft auf ein Fortführen auch ohne Bundeszuschüsse.

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Die Biogasanlage der Agrargenossenschaft Schkölen und das Biokraftwerk Schkölen (hinten links). Archivoto: Claudia Bioly

Nickelsdorf. Besonders groß ist es nicht und leicht zu übersehen. Das „Barfußhaus“ im ehemaligen Rittergut Nickelsdorf bei Crossen/Elster wirkt von außen wie ein besserer Schuppen, aber es hat es in sich: Windrad und Solarpaneele auf dem Dach liefern Strom, die Wärme, falls nötig, kommt aus einem rund 30 Kubikmeter großen Ast- und Grünschnitthaufen gleich nebenan. Eine Füllung des Biomeilers reicht für eineinhalb Jahre Heizung der Selbstversorger-Hütte – und lässt am Ende wertvollen Humus zurück.

Das „Barfußhaus“ ist so etwas wie der Schlussakkord im Konzert der Bioenergieregion Jena-Saale-Holzland, die am Donnerstag ihre Bilanz nach insgesamt sechs Jahren zog. Und es steht exemplarisch für die Ziele des Projekts: Die Abhängigkeit von auswärtig erzeugter Energie verringern, indem Holz, Stroh, Gülle und etliches mehr aus eigenem Beritt zu Gas, Strom und Wärme für den Verbrauch in der Region bereitgestellt werden. Und damit nicht zuletzt Jobs und Wertschöpfung vor Ort wachsen.

Etliche Gesetzes-Hürden genommen
Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn vor den Erfolg waren etliche Hürden gestellt: Die Überzeugungsarbeit bei den Bürgern, die Biogasanlagen mit „Vermaisung“ ihrer Umgebung übersetzten. Oder die flatterhaften Wendungen der Politik, die zu teils absurden Regelungen führten.
So musste etwa durch das rasche Anheben der Besteuerung das ursprüngliche Ziel, drei Viertel des landwirtschaftlichen Verbrauchs aus Biodiesel zu bestreiten, gestrichen werden. Eingebremst wurde mit der EEG-Novelle auch der vorherige Biogas-Boom – was in der Region dazu führte, dass in der zweiten Förderperiode ab 2012 nur mehr zwei Anlagen errichtet wurden. Und zwei weitere, für die es noch Rohstoff gäbe, auf Eis liegen.

Geradezu aberwitzig mutet an, dass für die drei großen Hackschnitzel-Heizkraftwerke in der Region Strauchschnitt, Äste und Reste aus der Landschaftspflege zwar sogar in Jena gesammelt werden, aber der Abfall aus den Sägewerken – bis zu 40 Prozent eines Stamms – nicht verbrannt werden darf, wie der Stadtrodaer Forstamtsleiter Bernhard Zeiss anmerkt. Dabei wären das pro Jahr „zigtausende Tonnen“, aus denen sich Strom und Wärme für die Region gewinnen ließen.

Und doch bilanziert Projektleiterin Ina John die sechs Jahre als „vollen Erfolg“. Denn da sind nicht nur Schlöben und Bechstedt in der Partnerregion Saalfeld-Rudolstadt als Bundessieger im Wettbewerb der Bioenergiedörfer, etliche weitere Orte mit Nahwärmenetzen an Biogas- und Hackschnitzelanlagen und das Vorreiter-Städtchen Schkölen, wo das Biomasse-Heizkraftwerk inzwischen auch Tomaten und afrikanischen Welsen ganzjährig zu Wachstum verhilft. Gestartet mit 15 Prozent, liegt inzwischen der Biomasse-Anteil am Stromverbrauch der Region bei etwa 18 Prozent, bei der Wärmeversorgung legte er von 16 auf über 28 Prozent zu. Insgesamt 49 Arbeitsplätze entstanden in diesem Aufwuchs. Insgesamt, so John, resultiere aus den Förderprojekten eine regionale Wertschöpfung von rund zehn Millionen Euro pro Jahr – angepeilt waren ursprünglich 2,5 Millionen.

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28-10-2011/M: Pflücker Patrick Bergk, von der Biowärme Gemüse GmbH Schkölen, schneidet Rispen mit reifen Tomaten der Sorte Delioso von den Ranken ab. Die Pflücker gehen derzeit in die letzte Erntephase, die im November zu Ende geht. Immerhin müssen bis dahin noch drei in der Reife befindlichen Rispen an 340 000 Pflanzen – rund 1,4 Millionen Fruchtstände – geerntet werden. Seit dieser Saison besteht für die Leute die Möglichkeit, die Tomaten direkt ab Werk zu kaufen.Foto: Dieter UrbanTomatenernte bei der Biowärme Gemüse GmbH in Schkölen. Archivfoto: Dieter Urban

Dazu komme all das, was sich zwar nicht unmittelbar auf Euro und Cent, gleichwohl aber unter Gewinn zu rechnen sei: die Kompetenzgewinne aller Beteiligten bis hin zur eigenen Vermaisungs-Untersuchung, zahlreichen Bachelor- und Masterarbeiten Jenaer Studenten und einer demnächst zu erwartenden Studie, wie sich auch Sträucher und Astgrün in Biogasanlagen einsetzen lässt. Da ist das Jugendforschungscamp im Rittergut, das inzwischen rund 6000 Kinder zu Gast hatte. Der bundesweit erste Radwanderweg zu diesem Thema, der über 47 Kilometer von Nickelsdorf nach Camburg führt. Oder die 2013 gegründete Bürgerenergiegenossenschaft mit jetzt 34 Mitgliedern.

Die jährlichen Holz-Sammelaktionen, bei denen im vorigen Jahr schon 14 Gemeinden im Landkreis mitmachten und die inzwischen zu permanenten Sammelstellen geführt haben. Die Brennholzplantagen, die Felder mit der „Durchwachsenen Silphie“ als Mais-Ersatz, der Erlebnisspielplatz in Schkölen.

Und nicht zu vergessen die deutlich verbesserte Partnerschaft zwischen Jena und dem Landkreis, denn auch die Stadt wird nun teils von umliegenden Feldern und Ställen beheizt. „Bioenergie“, resümiert John, „hat jetzt bei uns ein positives Image. Weil sich Vertrauen aufgebaut hat zwischen Bürgern und Akteuren, und weil die Vorteile nachhaltig sind.“

Wie nun weiter, da die Bundesförderung ausgelaufen ist? Jenas Stadtentwicklungsdezernent Denis Peisker (Grüne) hofft, dass die gewachsenen Strukturen fortleben, möglicherweise sich die Kommunen mehr auch finanziell engagieren. Schkölens Bürgermeister Matthias Darnstädt wünscht sich als Voraussetzung dafür, dass kommunale Einnahmen aus Erneuerbaren Energien nicht vollends via „Reichensteuer“ umverteilt werden, sondern in der Region wirken können.

Dezernent aus Jena: Mehr Unterstützung möglich

Umwelt-Staatssekretär Olaf Möller (Grüne) lässt durchblicken, dass im Rittergut eines der künftigen Energiewende-Beratungsteams des Landes für Kommunen, Unternehmer und Private installiert werden könnte. Setzt der Landkreis sein Konzept um, könnte es einen Klimaschutz-Manager hier geben. Und im Entwicklungskonzept der regionalen Leader-Arbeitsgruppe, mit der einmal alles begann, sind „Energieteams“ ebenfalls vorgesehen.

Denn es gibt noch viel zu tun, um die ursprünglichen Ziele von 25 Prozent Bio-Strom und 35 Prozent Bio-Wärme zu erreichen. Auch die vollständige Eigenversorgung des Ritterguts steht noch aus. „Aber wir stehen schon bei 80 Prozent“, sagt John. Auch dank „Barfußhaus“.

Jens Voigt / 04.07.15 / OTZ
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Verein „Ländliche Kerne“ zieht Bilanz 2016

Beitragvon jhmatz » 12.01.2017, 08:58

Mitglieder des Vereins Ländliche Kerne schauten auf dem Rittergut in Nickelsdorf gemeinsam mit Gästen auf 2016 zurück.

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Trotz der Minus-Temperaturen und leichten Schneefalls ließen sich (von links) Steffi Friebel, Ulrich Reuter, Kerstin Schauer, Ina John und Jürgen Winkelmann zum offiziellen Fototermin beim Neujahrsempfang ins Freie bitten. Foto: Jens Henning

Nickelsdorf. Das Wetter passte zur 50-minütigen Rede von Ina John über das Jahr 2016. "Es gab bei uns im Verein 2016 viele Höhen, aber auch Tiefen. Vielleicht lag es am Schaltjahr. Da läuft es ja sowieso nirgendwo alles rund", sagte die Vorstandsvorsitzende des 1994 gegründeten Vereins Ländliche Kerne gestern zu Beginn ihrer Laudatio.

Sie und ihr Team hatten am frühen Nachmittag zum Neujahrsempfang in die Gutsherrenschenke auf dem Rittergut in Nickelsdorf eingeladen.

Während die knapp 40 geladenen Gäste aus Politik, Wirtschaft und verschiedenen Institutionen bestens verköstigt wurden, wehte draußen ein eisiger, ziemlich unangenehmer Wind, versetzt mit Schneeflocken. Das offizielle Anstoß-Foto mit gefüllten Sektgläsern im Freien, denn da waren die Lichtbedingungen um einiges besser als in der Räumlichkeit des Neujahrsempfanges, wurde deshalb zu einer frierenden Angelegenheit für die drei Frauen und die beiden Männer.

Die Ländlichen Kerne haben sich dank ihrer unzähligen Projekte, die man von A wie Arbeitsförderung bis Z wie Zooschule zusammenfassen könnte, zu einem verlässlichen Partner für den Kreis, die Kommunen und die Wirtschaft gemacht.

"Wir sind jetzt 30 Beschäftigte, die wir als Verein in Lohn und Brot haben. Dazugekommen sind im vergangenen Jahr noch einmal 50 Integrationsbetreuer, die in Schulen eingesetzt werden. Das ist schon ein enormer Batzen, auch an Verantwortung", sagte John.

Dass die Ländlichen Kerne eine solche Entwicklung nehmen werden, das war vor mehr als 22 Jahren nicht abzusehen. "Wir hatten uns damals gegründet, um mit verschiedenen Themen die Region voranzubringen, zu entwickeln. Das geht natürlich nur mit der Hilfe von vielen Partnern", sagte John.

Einer der langjährigen Partner ist das Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung, kurz ALF, mit Sitz in Gera. Der stellvertretende Amtsleiter und Leiter für übergreifende Fachaufgaben, Gerit Cöster, gehörte zu den Gästen. Cöster bedankte sich nicht nur für die Einladung, er prägte auch das Wort des Nachmittages, als er die Gastgeberin als eine "Fördermittel-Veredlerin" umschrieb.

"Nein, mit dem Wort habe ich überhaupt kein Problem. Das sehe ich als kleines Kompliment", sagte John.

Cöster unterstrich in seinem kurzem Grußwort, wie schwer es von Jahr zu Jahr werde, an die vorhandenen Fördertöpfe zu kommen. "Das Geld ist da. Ich verstehe nicht, warum es immer komplizierter wird. Wir wollen doch mit den Geldern nur Ideen umsetzen", sagte der Mann aus Gera.

Als größten Erfolg in der Vereinsarbeit 2016 nannte John die Integration der "Flüchtlingsjungen". Von zunächst sechs sind jetzt noch vier im Alter zwischen 13 und 17 Jahren im Rittergut untergebracht, wo sie leben, wohnen und lernen.

"Anfänglich hatten wir einige Probleme. Einige der Probleme waren auch Haus gemacht, weil uns zunächst das ausgebildete Personal fehlte. Jetzt läuft es sehr gut. Zwei von vier Jungen werden im Sommer ihren Hauptschulabschluss ablegen. Dann heißt es für uns: Dass wir uns für die Beiden um Ausbildungsstellen kümmern."

Als sehr positiv bezeichnete John die Arbeit ihres Koches Thomas Sachse aus Weißenborn, der seit 2009 angestellt ist. "Was er und sein Team leisten, ist fantastisch. Ich habe zwar keine genauen Zahlen parat. Wir hatten bestimmt 3500 Kinder und 4000 Erwachsene bei uns hier auf dem Rittergut. Die mussten alle bei den verschiedensten Veranstaltungen versorgt werden. Das hat unsere Küche hinbekommen."

Als Erfolgsgeschichte sieht John auch den Tiergarten, der seit 2005 in Trägerschaft des Vereins ist.

"Die entwickeln sich bombastisch. Wie die Mannen um Tiergartenleiter Mathias Wiesenhütter inhaltlich das Konzept umsetzen, etwas Attraktives vor allem für die Kinder anzubieten, ist sehr löblich. Dass das Wetter 2016 nicht so mitgespielt hat, dass dann im viel zu heißen Sommer die Besucher weniger geworden sind, und das Tiergartenfest schon ein Reinfall war, das war schmerzhaft. Das lag aber nicht an unseren Kollegen. Für mich sind die Besucherzahlen schon wichtig im Tiergarten. Sie sind aber für mich nicht das wichtigste Kriterium. Der Tiergarten ist eine Attraktion für die Kreisstadt. Wir als Ländliche Kerne liefern unseren Anteil", sagte John.

OTZ
Jens Henning / 12.01.17
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Region. Aktionsgr. Saale-Holzland feiert zehnjähriges Jubilä

Beitragvon jhmatz » 11.05.2017, 08:11

3,5 Millionen Euro stehen für die nächsten Projekte des Vereins bereit.

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Ina John von der Regionalen Arbeitsgruppe. Foto: A. Schott

Nickelsdorf. Mit einem Mal stand das zehnjährige Jubiläum vor der Tür. "Wir waren selbst ganz erschrocken, als wir das festgestellt haben", sagt Ina John von der Regionalen Aktionsgruppe Saale-Holzland (RAG). Eine gute Gelegenheit, die Arbeit der vergangenen Dekade Revue passieren zu lassen.

Angefangen habe alles im Jahr 2003 mit einer relativ losen Gruppe, sagt John. Ziel war es, vom europäischen Förderprogramm "Leader" profitieren zu können, das die ländliche Entwicklung vorantreiben soll. "Um die Arbeit zu untermauern, hat sich schließlich 2007 der Verein Regionale Aktionsgruppe Saale-Holzland gegründet", erklärt John. Heute verfügt der Verein über 70 Mitglieder aus fast allen Gemeinden des Saale-Holzlandes (SHK). Darüber hinaus gehören der Aktionsgruppe auch Jena und Bad Köstritz, aber auch Vereine, die Kirchen und Unternehmen aus der Region an. Damit sollen Menschen zusammengebracht werden, die sich engagieren und das Saale-Holzland nach vorn bringen wollen, berichtet Ina John.

Wie das in der Realität aussieht, beweise unter anderem das Projekt Bioenergieregion, das maßgeblich über die RAG realisiert wurde und den Ausbau der Bioenergie im Saale-Holzland zum Ziel hat. Auch das Modellprojekt für Raumordnung (Moro) des Bundesverkehrsministeriums wurde im SHK durch den Verein betreut. "Dabei ging es vor allem darum, Konzepte zu entwickeln, wie die Region mit dem demografischen Wandel umgehen kann", sagt die RAG-Mitarbeiterin.

Aber auch kommunale Projekte standen in der Vergangenheit auf der Agenda der RAG. Etwa die Grundschule in Stiebritz bei Dornburg, die von der Schließung bedroht war. Hier fiel die Entscheidung, die Kindergärten und die Schule in ein gemeinsames Gebäude zu legen, um das Objekt zu erhalten. Darüber hinaus gehörte das Bioenergiedorf Schlöben zu den Projekten der RAG.

Für die Zukunft laufen schon die nächsten Arbeiten. Immerhin kann der Verein aus den Vollen schöpfen. Insgesamt 3,5 Millionen Euro hat die RAG über das "Leader"-Programm in Aussicht für neue Ideen. Dazu gehört besonders das Projekt "Gemeindebündnis", das unter anderem auf eine bessere Vernetzung der Feuerwehren in der Region abzielt. "Die Feuerwehren haben mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen, deswegen versuchen wir, Ideen für eine bessere Kooperation der verschiedenen Wehren in den Dörfern zu entwickeln", ergänzt John.

Darüber hinaus arbeitet die RAG an einem Projekt mit der Fachhochschule Jena, für das Studenten gewonnen werden sollen. Grünes Licht dafür gebe es bereits, sagt John. Was der Verein dort genau vor hat, soll aber erst in den nächsten Wochen bekannt gegeben werden, hält die RAG-Mitarbiterin die Spannung hoch.

Martin Hauswald / 11.05.17 OTZ
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Nickelsdorf: Drei Tage mit Thüringer Jugendgremien

Beitragvon jhmatz » 22.09.2017, 07:22

Jugendbeiräte aus ganz Thüringen bringen zum Kongress in Nickelsdorf einen eigenen Dachverband auf den Weg

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Vom Kyffhäuserkreis bis zum Altenburger Land reichte die Anreise der verschiedenen Kinder-und Jugendgremien, die sich auf dem Rittergut Nickelsdorf zum Gremienkongress getroffen hatten. Foto: Jugendbeirat Saale-Holzland

Nickelsdorf. Die Arbeit ist getan, die Gäste abgereist und die Ergebnisse präsentiert. Über drei Tage hatten sich Vertreter von Kinder- und Jugendgremien aus ganz Thüringen in Nickelsdorf zur großen Tagung getroffen. Nun ist wieder Ruhe eingekehrt. Und so schwingt doch auch ein wenig Erleichterung in der Stimme von Nick Waldstädt mit.
Jugendliche wollen sich einmischen

Was am Ende bleibt ist, dass die Jugendlichen jetzt wohl ernst machen wollen, was die Einmischung in die Politik angeht. „Die Anfänge für den Dachverband aller Thüringer Jugendgremien sind gemacht“, erklärt Waldstädt. In Grundzügen würden die Geschäftsordnung, die Vorstandszusammensetzung und Aufgaben des Dachverbandes bereits stehen. „Die Satzung ist in Arbeit, aber das wird wohl noch bis Anfang nächsten Jahres dauern“, sagt Waldstädt. Klar ist aber jetzt schon, dass der Verband die politische Repräsentation von Kindern und Jugendlichen in ganz Thüringen übernehmen soll. „Wir sehen den Dachverband als Schnittstelle zur Politik. Auch Jugendliche haben eine Meinung und die wollen wir äußern“, sagt der Vorsitzende des Jugendbeirates.

Neben Lobbyarbeit für die Jugend, stünden aber auch praktische Tätigkeiten auf dem Plan des Dachverbandes, etwa wenn es um die Beratung zur Neugründung von Jugendparlamenten oder -beiräten in Thüringen gehe, ergänzt Waldstädt.

Neben dem Thema Dachverband stand auch das Worldcafé auf der Tagesordnung des Kongresses. „Das soll die erste große Veranstaltung unserer Vernetzungsinitiative werden“, sagt Waldstädt. Oder anders formuliert, die Jugendvertretungen wollen gemeinsam eine Plattform zum Austausch schaffen. Dabei wollen die Jugendlichen mit Politikern ins Gespräch kommen, um direkt Probleme der jungen Leute diskutieren zu können. Neben den großen Fragen, etwa der besseren Einbindung der Jugendlichen in Entscheidungsprozesse und demokratische Strukturen, soll dabei mit den Entscheidungsträgern auch über Belange des Alltags gesprochen werden. „Vor allem im ländlichen Raum ist der Nahverkehr immer ein Thema für Jugendliche“, sagt Waldstädt.

Aus der Sicht der Jugendlichen eine große Sache, immerhin stellen sich nicht wenige die Frage, wie zum Beispiel aus dem eigenen Dorf in den Nachbarort zu kommen. Oder was tun, wenn es darum geht, Freunde zu treffen oder zum Fußballtraining zu kommen.

Geplant ist die Diskussionsrunde für das Frühjahr 2018. „Die Veranstaltung soll für alle offen sein und richtet sich nicht nur an Vertreter der Jugendgremien“, sagt Waldstädt.
Austausch als wichtiger Aspekt

Neben allen Planungen sollte zum jüngsten Kongress in Nickelsdorf der Austausch untereinander nicht zu kurz kommen. „Der Erfahrungsaustausch war uns wichtig. Einfach mal zu sehen, wie andere Gremien arbeiten und mit welchen Projekten und Ideen sich die Leute in anderen Regionen beschäftigen“, betont der Vorsitzende des Jugendbeirates im Saale-Holzland-Kreis.

OTZ Martin Hauswald / 22.09.17
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Neujahrsempfang in Nickelsdorf zum Mitmachen

Beitragvon jhmatz » 11.01.2018, 08:13

Der Verein Ländliche Kerne ist in zahlreichen Projekten engagiert. Über 700 Kinder nutzten die Angebote im Vorjahr.

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Im Waldkabinett konnten die Besucher einen Blick durchs Mikroskop werfen. Foto: Susann Grunert

Nickelsdorf. Neue Wege beschreitet der Verein Ländliche Kerne gerne, so auch beim gestrigen Neujahrsempfang in Nickelsdorf. „Wir wollen Ihnen unsere Projekte gerne anschaulich rüber bringen“, sagte Geschäftsführerin Ina John.

Und so wartete auf die Gäste, darunter zahlreiche Bürgermeister, kein gewöhnlicher Vortrag, sondern ein Rundgang durch die Räumlichkeiten, während dem Ina John die Arbeit des Vereins erläuterte. Ein Schwerpunkt liegt im Bereich Umweltbildung: „Wiesenknopf, Ameisenbläuling und Bechstein-Fledermaus müssten mittlerweile jedem hier ein Begriff sein“, meinte die ­Geschäftsführerin augenzwinkernd. Stephanie Hellmann lud im Waldkabinett zu einem Blick durch Mikroskope ein, die im vergangenen Jahr durch Lottomittel angeschafft werden konnten und vor allem in der Arbeit mit Kindern eingesetzt werden.

Über 700 Kinder und Jugendliche seien im vergangenen Jahr in Nickelsdorf gewesen, mit der Schule oder zu Ferienfreizeiten. Mit verschiedenen Modulen, wie Wald oder Wasser, soll ihnen die unmittelbare Natur näher gebracht werden.

Auch in mehreren sozialen Projekten sind die Ländlichen Kerne engagiert, wie beispielsweise im Projekt „Bingo“, das sich um Langzeitarbeitslose kümmert. Ein weiteres Projekt – „Tizian“ –, das arbeits­lose Alleinerziehende unterstützte, ist Ende des Jahres ausgelaufen. „Hier haben wir uns ­quasi selbst ein Bein gestellt“, erzählte Ina John. Denn gut die Hälfte der Teilnehmer hätte in Arbeit vermittelt werden können.
2500 Übernachtungen im vergangenen Jahr

Mit 2500 Übernachtungen im vergangenen Jahr ist der Verein zufrieden, denn diese Zahl ist stabil. Tenne und Gutsherrenschenke werden für Familien- und Firmenfeiern sowie Hochzeiten gerne gebucht. Für die Durchführung von Schulungen steht ein Seminarraum für 50 Personen zur Verfügung.

„Dafür wollen wir noch inten­siver werben“, sagt Ina John. Zwar gebe es mit Silbitz Guss, die hier regelmäßig Führungskräftetreffen abhalten, oder einem Autohaus, das neue Azubis immer in Nickelsdorf begrüßt, auch Stammgäste, doch gerade in den Herbst- und Wintermonaten sei buchungstechnisch noch Luft nach oben.

Schwierig sei in manchen Regionen auch die Gebietsjugendpflege, die die Ländlichen Kerne für dortige Gemeinden übernehmen. In Schkölen musste der Jugendclub im Sommer schließen – mangels Mitarbeiter aber auch mangels Interesse der Jugend­lichen. „Es wird immer schwieriger, Kinder und Jugendliche in die Jugendclubs zu locken“, meint Ina John. Neben Schkölen betreut der Verein noch Einrichtungen in Rockau, Camburg, Tautenhain, Hartmannsdorf und Crossen.

Gut besucht waren im Vorjahr „Klassiker“ wie die Walpurgisnacht in Nickelsdorf und die Sommerfrische vor der Robertsmühle in Kursdorf. Mit schlechtem Wetter hatte man hingegen zum Voradventlichen Markt Ende November zu kämpfen. Aber nicht nur deswegen soll es diesen Markt in diesem Jahr nicht mehr geben. „Die Resonanz ist in den vergangenen Jahren einfach zurückgegangen“, sagte Ina John. Die Besucherzahlen würden den Aufwand nicht mehr rechtfertigen.

Rittergut soll in Stiftung umgewandelt werden

In diesem Jahr will sich der Verein als außerschulischer Lernort noch stärker positionieren, außerdem soll das Rittergut in eine Stiftung umgewandelt werden, um dessen Erhalt zu sichern, so die Geschäftsführerin.

Im Bereich Gastronomie und Kultur soll es ebenfalls mit frischen Ideen ans Werk gehen. Dazu gehört auch die Reihe „Kulturmittwoch“, die dieses Jahr fortgesetzt wird und von der Lesung bis zum Whisky-Abend sämtliche „Geschmäcker“ bedienen möchte.

ZUR SACHE: Veranstaltungen Rittergut Nickelsdorf

17. Januar: Der große Elsterfloßgraben – Vortrag in Wort und Bild (18 Uhr)

31. Januar: Schaurige und sagenhafte Geschichten vom Mühlberg und aus der Elsteraue (18 Uhr)

14. Februar: Valentinstag – Ein Abend für die Liebe. Wie man die alte Liebe entrostet oder die Liebe neu erweckt, zeigt eine Ehe-, Familien- und Lebensberaterin auf humoristische Art und Weise (18 Uhr)

24. Februar: Kabarett Fettnäppchen, 20 Uhr

14. März: Der Frühling lebt schon in den Birken - Dichter träumen vom Frühling (18 Uhr)

30. April: Walpurgisnacht auf dem Rittergut (18 Uhr)

Für alle Veranstaltungen außer der Walpurgisnacht wird um Anmeldung gebeten, Tel. (036693) 23 09 17
Susann Grunert / 11.01.18
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Crossen: Junge Naturschützer und AG Demokratie feiern Sommer

Beitragvon jhmatz » 28.06.2018, 10:28

Die Crossener Arbeitsgemeinschaften Junge Naturschützer und Demokratie feiern ihre diesjährige Abschlussparty in der Robertsmühle.

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Stephanie Hellmann und Bastian Berger auf der Abschlussfeier der AG Junge Naturschützer und Demokratie der Grundschule Crossen. Foto: Angelika Munteanu

Eisenberg/Crossen. Das Kettenkarussell ist am Mittwochnachmittag das Größte für die Crossener Grundschüler. Im Garten der Robertsmühle im Eisenberger Mühltal haben die Arbeitsgemeinschaft Junge Naturschützer sowie Demokratie ihren Abschluss gefeiert. Für dieses Schuljahr, denn im nächsten soll es für die meisten der Kinder in den AG gleich weitergehen.

Auch Nico will dann wieder dabei sein. Am meisten hatten im die Spiele gefallen, die in der AG Demokratie gespielt wurden. „Ein Plakat haben wir auch gestaltet für das Kinderfest“, erzählte der Siebenjährige.

Das Kinderfest, das Anfang Juni im Rittergut Nickelsdorf gefeiert wurde, ist der Höhepunkt für die AG Demokratie im jetzt zu Ende gehenden Schuljahr gewesen. „Das Interkulturelle Kinderfest haben die Kinder in der Arbeitsgemeinschaft intensiv vorbereitet“, berichtete Bastian Berger. Er ist als Vertreter des Vereins Ländliche Kerne Gebietsjugendpfleger für den Raum Dornburg-Camburg und für das Heideland und das Elstertal und betreut seit vergangenem Jahr die AG Demokratie an der Grundschule Crossen. Über Wochen hatte die neun Kinder aus den zweiten bis vierten Klassen der Schule Ideen für das Fest gesammelt und in die Tat umgesetzt.

„Im kommenden Schuljahr soll es weitergehen“, erklärte Bastian Berger. Die Viertklässler verlassen nun zwar die AG, weil sie in eine andere Schule wechseln. Für sie werden sicherlich aber neue Schüler nachrücken. Im neuen Schuljahr solle natürlich das nächste Interkulturelle Kinderfest vorbereitet und gestaltet werden. „Das wird aber nicht das gesamte Schuljahr in Anspruch nehmen“, meinte Berger. Deshalb will sich die AG Demokratie ab September verstärkt auch mit Kinderrechten beschäftigten. Die Spiele, die nach der UN-Kinderrechtskonvention für dieses Thema entwickelt wurden, sind von Nico und seinen Mitschülern bereits getestet worden.

„Kinderrechte müssen gestärkt werden“, sagt der Gebietsjugendpfleger und stellt fest: „Viele wissen gar nicht, wie viel Mitspracherecht die Kinder tatsächlich haben, etwa in Jugendparlamenten oder als Schülersprecher.

Auch in der AG Junge Naturschützer wird es einen Wechsel geben, wenn die Viertklässler der zehn Mitglieder die kleine Forschergruppe mit dem Schulwechsel verlassen werden.

„Aber wir machen weiter, mit einem Teil der bisherigen Mitglieder und mit neuen Kindern“, ist sich die AG-Leiterin, die Biologin Stephanie Hellmann, sicher. Im zurückliegenden Schuljahr hat sich ihre AG insbesondere dem Thema Wasser gewidmet. „Wir haben erforscht , wie die Menschen das Wasser nutzen.“ So waren die jungen Naturschützer mit ihren Betreuern vom Verein Ländliche Kerne am Elsterfloßgraben in Crossen zu Gast beim Floßgrabenförderverein. Von dessen Mitgliedern lernten die Kinder, wie Holz geflößt wird. Sie erfuhren, welch große wirtschaftliche Bedeutung das Flößen von Bau- und Brennholz in der Geschichte hatte und wie wichtig das Industriedenkmal Elsterfloßgraben heute auch für den Naturschutz ist. In Crossen haben die Kinder Wiesenknöpfe angepflanzt, die wichtig sind für den Wiesenknopf-Ameisenbläuling, einen gefährdeten Schmetterling. Einen Bauernhof mit Schweinen, Schafen, Hühnern und Insektenhotel haben sie besucht. Auch auf dem Mühlberg unterhalb von Nickelsdorf sind die jungen Naturschützer unterwegs gewesen, um Ideen für einen Waldlehrpfad mit Klangkörpern und Baumtelefon zu entwickeln. In der Gruppe bauten die Kinder Vogel- und Fledermauskästen. Auch einen Fledermaus-Film haben sie gedreht. „Der Filmschnitt wird jetzt gemacht“, sagte Stephanie Hellmann.

Die zeitweilige Fledermaus-Ausstellung an der Robertsmühle, die Miniaturenschau und Spiele waren zur Abschlussparty am Mittwoch die Höhepunkte. Und natürlich das Kettenkarussell, das der Bundesfreiwillige André Hühn für sie mehrmals in Gang setzen musste.

OTZ Angelika Munteanu / 28.06.18
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