Floßgraben

Dieser Teil des Forums ist für allgemeine Diskussionen rund um Crossen gedacht.

Floßgraben

Beitragvon jhmatz » 21.06.2017, 08:59

Geschichte und Bedeutung des Elsterfloßgrabens

Der Elsterfloßgraben ist ein im 16. Jahrhundert zum Holztransport angelegter Kanal von der Weißen Elster in das Gebiet östlich von Weißenfels und Merseburg sowie nach Leipzig.

Der Abzweig von der Elster lag zunächst beim heute zu Wetterzeube gehörenden Pötewitz, wurde aber etwa 100 Jahre später drei Kilometer flussauf nach Crossen verlegt. Das künstliche Gewässer hatte eine Breite von drei Metern an der Oberkante und einem Meter am Boden. Seine Länge betrug 77,5 Kilometer bei einem Höhenunterschied von 25 Meter.

Im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts erreichte die geflößte Holzmenge ihr Maximum und ging bereits in den 1820er Jahren deutlich zurück. Gründe dafür waren der Ausbau des Straßensystems auch in den Waldgebieten sowie ab Mitte des Jahrhunderts das Aufkommen des billigeren Transports per Bahn und der zunehmende Ersatz von Brennholz durch Braunkohle. Im Jahre 1864 wurde die Elsterflößerei endgültig eingestellt.

Ab 1958 wurde der Elsterfloßgraben durch Braunkohlentagebaue unterbrochen. Nach Stilllegung dieser Tagebaue wurden ab dem Jahr 1992 zwischen Elstertrebnitz und Werben Teilstücke des alten Floßgrabens auf etwas veränderten Trassen neu errichtet.

Im aktuellen Abbaufeld Schwerzau ist allerdings ein weiterer Rückbau des Floßgrabens notwendig, der nicht vor dem Jahr 2030 wieder neu gestaltet werden kann.

Der Elsterfloßgraben hat in erster Linie Bedeutung als technisches Denkmal. Er stellt das bedeutendste Kanalsystem des 16. Jahrhunderts auf dem europäischen Kontinent dar.
OTZ / 21.06.17
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Floßgraben in Crossen soll in die Landeshoheit

Beitragvon jhmatz » 21.06.2017, 09:03

Für einen sanften Tourismus: Floßgraben in Crossen soll in die Landeshoheit

Crossen setzt für Mitteldeutschlands längstes Denkmal auf neues Thüringer Wassergesetz.

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Am Elsterfloßgraben in Crossen: Bürgermeister Uwe Berndt und Floßhausbewohner Helmut Wunderlich. Beide sind Mitglied im länderübergreifenden Förderverein Floßgraben. Foto: Angelika Munteanu

Crossen/Erfurt. In Thüringen fließt der Elsterfloßgraben scheinbar unbemerkt parallel zur Weißen Elster vor sich hin. Jetzt soll der Thüringer Abschnitt des längsten Denkmals in Mitteldeutschland ein Thema für das Land werden.

„Wir haben beim Thüringer Umweltministerium beantragt, dass der Floßgraben zu einem Gewässer Erster Ordnung wird“, sagt Crossens Bürgermeister Uwe Berndt (Die Linke).

Gründe dafür, den Status des historischen Elsterfloßgrabens in Thüringen vom Gewässer Zweiter Ordnung auf ein Gewässer in Landeshoheit zu heben, gibt es mehrere. In Sachsen-Anhalt und in Sachsen ist der mehr als 70 Kilometer lange Floßgraben, der in Crossen von der Weißen Elster abzweigt, durch Zeitz fließt und in Leipzig in die Pleiße mündet, in der Hoheit des jeweiligen Bundeslandes. Nur in Thüringen nicht.

Zuständige sollen sich auf Augenhöhe befinden

Aus Crossener Sicht macht es aber Sinn, dass die Zuständigen auf Augenhöhe miteinander reden – vom Hochwasserschutz an der Weißen Elster angefangen, über die Gewässerpflege, die Crossen für seinen etwa 1,5 Kilometer langen Abschnitt aus Kostengründen künftig nicht wird leisten können, bis zur länderübergreifenden Nutzung.

Anliegen des mit einer Geschäftsstelle in Zeitz ansässigen Fördervereins Elsterfloßgraben ist es, das Denkmal zu bewahren und für den sanften Tourismus zu nutzen. Dem Verein gehören auch Vertreter aus Crossen an, darunter Bürgermeister Uwe Berndt, der Bewohner des Crosener Floßhauses, Helmut Wunderlich, und der Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft Heideland-Elstertal-Schkölen, Martin Bierbrauer.

Einen Floßgraben-Wanderweg gibt es bereits, der könnte bis Thüringen ausgeweitet werden. Auch Schauflößen in Crossen ist angedacht. „Überregional ist der Elsterfloßgraben sehr wohl ein Begriff“, weiß Floßhaus-Bewohner Wunderlich.

Besucher aus ganz Deutschland und sogar aus Schottland seien bereits angereist, gut vorbereitet mit dicken Aktenordnern im Reisegepäck, um die im 16. Jahrhundert künstlich angelegte Lebensader zum Holztransport in die Standorte Leipzig und Halle zu entdecken. Vor allem seien es Mitglieder von Flößervereinen in Deutschland und darüber hinaus, die sich für die Tradition und die technischen Bauten von einst interessieren.

Seit dem Jahr 2014 gehört die Flößerei in Deutschland zum Immateriellen Kulturerbe der Unesco. In der Vergangenheit habe die Flößerei in Deutschland angesichts eines riesigen Holzbedarfs in allen Lebensbereichen der Gesellschaft eine herausragende Rolle gespielt. Nur die Flößerei habe diesen Bedarf decken können, sagt die deutsche Unesco-Kommission zur Begründung.

Die Chancen, das technische Denkmal Elsterfloßgraben auch in Thüringen in die Hoheit des Landes zu geben, stehen nicht schlecht. In Crossen setzt man auf die anstehende Novelle des Thüringer Wassergesetzes, das die Zuständigkeiten regelt.

„Für den Floßgraben liegt ein entsprechender Antrag der VG Heideland-Elstertal-Schkölen vor“, bestätigte auf Nachfrage Jeffrey Ludwig, Pressereferent im Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz, und teilt mit: „Hierzu wurde unsere Fachbehörde, die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) um Stellungnahme gebeten.“

Noch liegt die Stellungnahme der TLUG nicht vor und eine abschließende Entscheidung, ob der Floßgraben als Gewässer Erster Ordnung in den Entwurf zum neuen Thüringer Wassergesetz aufgenommen wird, stehe noch aus, heißt es aus dem Umweltministerium.

Thüringen berät bereits länderübergreifend mit

Im derzeit vorliegenden Gesetzesentwurf ist laut Umweltministerium bisher lediglich geplant, den Altarm der Weißen Elster in der Ortslage Crossen, bei dem es sich nicht um den Floßgraben handelt, in die Liste der Gewässer Erster Ordnung aufzunehmen. Ähnliche Regelungen gebe es für die Altarme der Weißen Elster flussaufwärts in den Ortslagen Bad Köstritz, Gera-Stublach und Caaschwitz.

Das Verfahren zur Gesetzgebung sei aber noch in den Anfängen und im Stadium eines Referentenentwurfes, der in Kürze zunächst in die Ressortabstimmung gehen soll, ehe er auf den Tisch des Regierungskabinettes kommt.

Die TLUG ist für Thüringen derweil schon in länderübergreifende Beratungen zum Elsterfloßgraben eingebunden. Ziel der Beratungen der zuständigen Landesbehörden – die letzte hatte im März stattgefunden – ist ein gemeinsames Positionspapier der Anrainer-Länder Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen zu Unterhaltspflichten, Wasserrechten und Gewässernutzung am technischen Denkmal Elsterfloßgraben.

Angelika Munteanu über ein Denkmal, welches Aufmerksamkeit verdient

Angelika Munteanu / 21.06.17 OTZ
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Angelika Munteanu über ein Denkmal

Beitragvon jhmatz » 21.06.2017, 09:04

welches Aufmerksamkeit verdient

Ja, es geht auch ums Geld, wenn Crossen für den Floßgraben auf den Freistaat Thüringen hofft. Aber längst nicht nur.

Der Floßgraben, der in Crossen beginnt, ist ein technisches Denkmal, das größte Aufmerksamkeit verdient. In den Nachbarländern, die am bis Leipzig reichenden Floßgraben liegen, also in Sachsen-Anhalt und in Sachsen, hat Mitteldeutschlands längstes Denkmal diese Aufmerksamkeit – vom Förderverein Floßgraben ohnehin und auch von den Bundesländern, die sie für dafür zuständig erklärt haben. Sogar über Deutschland hinaus in Europa ist die im 16. Jahrhundert künstlich angelegte Wasser-Wirtschaftsader zum Transport für Holz ein Begriff.

In Thüringen lernt man auf Landesebene offenbar gerade hinzu, welchen historischen Schatz man am Rande des Freistaates kurz vor der Grenze zu Sachsen-Anhalt hat. Dieser Schatz will gehütet und gepflegt werden und er soll der Nachwelt erhalten bleiben.

Crossen allein kann es nicht schaffen, den von der Weißen Elster kommenden Wasserlauf zu bewahren und für eine touristische Nutzung zu entwickeln. Das können – auf Augenhöhe – nur die drei Anrainer-Länder gemeinsam.

Angelika Munteanu / 21.06.17 OTZ
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Brückendenkmal bei Ahlendorf offenbar illegal abgerissen

Beitragvon jhmatz » 12.07.2017, 09:06

Für die Floßgrabenbrücke Nr. 2 bei Ahlendorf wollen Denkmalbehörde und Förderverein den Wiederaufbau.

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Januar 2016: Die Floßgrabenbrücke Nr. 2 bei Crossen-Ahlendorf vor dem Abriss. Archivfoto: Munteanu

Crossen/Eisenberg. Eine Anzeige hat den Stein endgültig ins Rollen gebracht: Vor wenigen Tagen ist Jörg Schindewolf vom Amt für Denkmalschutz und Denkmalpflege des Saale-Holzland-Kreises zum Ortstermin am Floßgraben in Crossen gewesen, um überrascht festzustellen: Das Denkmal Floßgrabenbrücke Nummer 2 ist tatsächlich verschwunden.

Durch die Anzeige habe das Bauordnungsamt des Landkreises, zu dem die Untere Denkmalschutzbehörde gehört, erstmalig vom Abriss der Brücke erfahren, heißt es auf Nachfragen aus dem Landratsamt.

Das Problem: Die abgerissene Brücke war nicht irgend ein Steg über irgend einem Rinnsal am Wegesrand. „Die abgerissene Wegebrücke 2 war ein eingetragenes Kulturdenkmal“, erinnert die Behörde. Das Bauwerk ist ein Bestandteil des Floßgrabens, der das längste Denkmal in Mitteldeutschland ist und die Infrastruktur für das immaterielle Weltkulturerbe der Flößerei.

Die Kreisbehörde erläutert weiter: „Demnach hätte die Gemeinde Crossen für den Abbruch eine denkmalschutzrechtliche Erlaubnis nach Paragraph 13 Absatz 1 Nummer 1a des Thüringer Denkmalschutzgesetzes benötigt.“

Wenn Bauordnungsamt und Denkmalschutz im Kreis nichts von dem Abriss wussten, heißt das im Kehrschluss: Crossen hat diese denkmalschutzrechtliche Erlaubnis für den Abriss der Floßgrabenbrücke Nr. 2 nicht gehabt und das historische Bauwerk illegal abgerissen.

Dass die alte Brücke mit der Nummer 2 bei Ahlendorf abgerissen und von einer tragfähigeren Zwischenlösung ersetzt werden sollte, war allerdings kein Geheimnis. Crossens Bürgermeister Uwe Berndt (Die Linke) hatte im Januar des vergangenen Jahres in einem OTZ-Artikel den Abriss im Zusammenhang mit dem damals bevorstehenden ländlichen Wegebau und mit dem Hochwasser-Wiederaufbau der Elster-Brücke bei Ahlendorf angekündigt. Auch den beabsichtigten Bau einer Zwischenlösung hatte Berndt im Januar 2016 angekündigt.

Provisorium war für nur ein Jahr angekündigt

Das Provisorium sei notwendig als Zufahrt zur Brückenbaustelle am Fluss und für die Landwirtschaft, bis der ländliche Weg gebaut ist, hatte der Bürgermeister damals erklärt. Zugleich hatte er angekündigt, dass im Zuge des ländlichen Wegebaus in diesem Jahr eine neue Überführung über den Floßgraben gebaut werden soll. Getan hat sich nichts. Das offenbar illegal beseitigte Denkmal ist weg. Und das für ein Jahr angekündigte Provisorium mit einer Traglast von 40 Tonnen soll nun eine länger währende Zwischenlösung werden. Der Denkmalschutz und auch der Förderverein Elsterfloßgraben als Dachvereinigung für das historische bedeutsame Baudenkmal, das von Thüringen bis Sachsen-Anhalt und Sachsen reicht, machen jetzt Druck.

„Als Konsequenz für den ungenehmigten Abbruch wird die Untere Denkmalschutzbehörde in Form einer Anhörung – vor Erlass einer denkmalschutzrechtlichen Anordnung – noch in dieser Woche die Wiederherstellung des alten Zustands nach Paragraph 15 des Thüringer Denkmalschutzgesetzes fordern“, teilt das Bauordnungsamt des Kreises auf Nachfrage mit.

Und die Behörde erläutert weiter: „Das heißt, es kann eine neue Brücke errichtet werden, die in ihrer Ansicht der alten Brücke entspricht. Dafür ist natürlich eine denkmalschutzrechtliche Erlaubnis erforderlich, um die Gestaltung sowie das Baumaterial entsprechend abzustimmen.“ Auch der im sächsisch-anhaltinischen Zeitz ansässige Förderverein Elsterfloßgraben will den Abriss eines Teils aus dem von ihm betreuten Denkmal nicht hinnehmen.

„Wir werden Druck machen, dass das Brückendenkmal in seiner historischen Gestalt wieder aufgebaut wird“, erklärte per Telefon aus dem Urlaub der Vereinsvorsitzende Frank Thiel aus Magdeburg.

Der Verdacht, den etliche Bewohner in Crossen und insbesondere im Ortsteil Ahlendorf hegen, ist nicht aus der Luft gegriffen: Das jetzige tragfähige Brückenprovisorium mit einer Verrohrung des Floßgrabens darunter ist in ganz engem Zusammenhang zu sehen mit dem angedachten und umstrittenen Kiesabbau zwischen Floßgraben und Weißer Elster. Und zwar seit Anbeginn. Denn vom Kiesabbau an der Elster ist offenbar schon vor mehr als einem Jahr unter der Hand in Crossen die Rede gewesen.

Es gibt ein Schreiben vom 28. Juni 2017 an den Crossener Bürgermeister und die Gemeinderäte als Reaktion auf die Stellungnahme von Ahlendorfer Einwohnern zum geplanten Kiesabbau. Darin erinnert das Unternehmen LZR-Baur Beton daran, dass es schon seit mehr als einem Jahr mehrfach Besichtigungen angeboten habe, damit sie sich ein reelles Bild davon machen können, wie der Kies abgebaut wird und die Gruben danach renaturiert werden. Bürgermeister Berndt sah sich in jüngster Zeit mehrfach in Erklärungsnöten. Vor einigen Wochen schon nach der Behelfsbrücke und den Rohren darunter befragt, wehrte er ab.

Kiesabbaufirma soll Wiederaufbau zahlen

Am Freitag (7. Juli 2017), nachdem am Abend zuvor erstmals die Crossener Arbeitsgruppe zum Kiesabbau getagt hatte, erklärte er im OTZ-Gespräch: „Die Brücke wieder aufzubauen, ist eine Frage der Zeit.“ Das alte Material dafür sei aber nicht mehr verwendbar, sie sei ohnehin marode und durch das Hochwasser 2013 geschädigt gewesen und der Sandsteinbau von Beton verstärkt gewesen.

Die Wahrnehmung der Anwohner zum Zustand der Brücke mit ihrem Ziegelrundbogen über dem Floßgraben sah allerdings etwas anders aus. Und der Wiederaufbau der Brücke im historischen Antlitz werde nicht nur eine Frage der Zeit, sondern auch des Geldes sein. Uwe Berndt hofft dafür auf den künftigen Nutzer der Überführung über den Floßgraben: die Kiesabbaufirma.

Angelika Munteanu / 12.07.17 OTZ


Angelika Munteanu über Crossen in der Zwickmühle

Mit einem Husarenstreich mal eben Tatsachen schaffen, weil‘s praktikabel ist, kann auch ganz schnell nach hinten losgehen.

Schon gar, wenn haarscharf am Gesetz vorbei eine denkmalgeschützte Brücke ohne Genehmigung der zuständigen Behörde abgerissen wird.

Crossen ist jetzt in der Zwickmühle. Denn die Forderungen, die der Denkmalschutz aufmacht, sind eindeutig: Die Brücke ist nach historischem Vorbild wieder aufzubauen und genehmigen zu lassen. Das kostet Geld. Geld, das die Gemeinde nicht hat und für das sie nun auf einen Dritten hofft: die Firma, die Kies im Elstertal abbauen will und die das jetzige tragfähige Brückenprovisorium dafür nutzen soll.

Kein Wunder also, wenn mancher Anwohner nun davon ausgeht, dass der umstrittene Kiesabbau längst festgeklopft war, ehe in Crossen darüber laut gesprochen wurde.

Fragt sich aber auch, wer noch davon wusste, dass die Denkmalbrücke im Vorjahr kurzerhand ohne Ja der Denkmalbehörde abgerissen wurde. Beim Ortstermin zuvor im Januar 2016 war die Gemeinde nicht allein. Dort waren auch Vertreter aus Erfurter Ministerien und vom Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung. Dessen Chef wiederum sitzt auch in Crossen im Gemeinderat.

Angelika Munteanu / 12.07.17 OTZ
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Denkmalschutzgesetz und Elsterfloßgraben

Beitragvon jhmatz » 12.07.2017, 09:07

Das Thüringer Denkmalschutzgesetz besagt im Paragraph 13, Absatz 1, Nr. 1a: Einer Erlaubnis der Denkmalschutzbehörde bedarf, wer ein Kulturdenkmal oder Teile davon zerstören, beseitigen oder an einen anderen Ort verbringen ...

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Blick auf den Elsterfloßgraben bei Crossen.Archivfoto: Urban

Das Thüringer Denkmalschutzgesetz besagt im Paragraph 13 , Absatz 1, Nr. 1a: Einer Erlaubnis der Denkmalschutzbehörde bedarf, wer ein Kulturdenkmal oder Teile davon zerstören, beseitigen oder an einen anderen Ort verbringen will.

Im Paragraph 15 heißt es: Wer eine Maßnahme, die nach diesem Gesetz der Erlaubnis oder Genehmigung bedarf, ohne die erforderliche Genehmigung oder im Widerspruch zu den bei der Genehmigung erteilten Auflagen durchführt, ist auf Anordnung der Denkmalschutzbehörde verpflichtet, den alten Zustand wiederherzustellen oder das Kulturdenkmal auf andere Weise entsprechend den Auflagen der Denkmalschutzbehörde instandzusetzen. Die Denkmalschutzbehörden können die Einstellung der Maßnahmen anordnen.

Der Elsterfloßgraben ist das längste Baudenkmal in Mitteldeutschland – ein im 16. Jahrhundert zum Holztransport angelegter Kanal von der Weißen Elster in Crossen in das Gebiet östlich von Weißenfels und Merseburg sowie nach Leipzig. Die originalen Gewölbebrücken aus Naturstein gelten als Meisterwerke der Brückenbaukunst.

OTZ / 12.07.17
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Crossen: Abgerissene Brücke soll wieder aufgebaut werden

Beitragvon jhmatz » 24.08.2017, 07:49

Nachgehakt Wie geht es weiter mit dem Wiederaufbau der Crossener Floßgrabenbrücke und dem beabsichtigten Kiesabbau

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Behelf statt Denkmal. Die abgerissene Brücke über den Elsterfloßgraben in Ahlendorf soll wieder aufgebaut werden. Foto: Munteanu

Crossen-Ahlendorf. Nein, eigentlich will Crossens Bürgermeister Uwe Berndt (Die Linke) nichts sagen. Weder zur abgerissenen denkmalgeschützten Floßgrabenbücke Nummer 3 im Ortsteil Ahlendorf, die im Behördenjargon noch immer als Nummer 2 geführt wird. Noch zu dem von der Firma LZR beabsichtigten Kiesabbau bei Ahlendorf. Auch nicht zur heutigen Gemeinderatssitzung. „Es gibt eigentlich nichts Neues“, meint der Bürgermeister.

Die Bewohner von Crossen und insbesondere die betroffenen Bewohner von Ahlendorf aber wollen wissen, wie es weitergehen soll nach dem Brückenabriss und mit dem Kiesabbaubegehren in ihrer Nachbarschaft. Und vor allem, was künftig auf die Gemeinde und sie selbst im Konkreten zukommen wird. Die Bürger erwarten öffentlich-verbindliche Auskünfte, mit denen ihr Bürgermeister auf sie zukommt – und nicht umgedreht. „Wir werden zur Ratssitzung Fragen stellen“, haben Bewohner von Ahlendorf schon für den Tagsordnungspunkt 2 „Bürgeranfragen“ angekündigt.

Unterdessen ist die OTZ der Sache weiter nachgegangen. „Die Floßgrabenbrücke wurde nicht illegal abgerissen. Es gab eine Genehmigung“, sagt der Bürgermeister. Und das habe die Gemeinde in der von der Unteren Denkmalschutzbehörde geforderten Stellungnahme nach dem Abriss des Denkmals auch mitgeteilt. Eine Abrissgenehmigung hat es von den zuständigen Wasserbehörden wohl gegeben. Darauf beruft sich die Gemeinde. Der Denkmalschutz war zuvor aber nicht konsultiert worden.

„Die Gemeinde Crossen (Verwaltungsgemeinschaft Heideland-Elstertal-Schkölen) beantragte im Zusammenhang mit der Erneuerung der Brücke über die Weiße Elster die Errichtung einer Behelfsüberfahrt über den Floßgraben. Die Behelfsüberfahrt wurde für zwei Jahre beantragt. Danach sollte der Neubau einer Brücke über den Floßgraben erfolgen“, heißt es auf OTZ-Nachfrage aus der Unteren Wasserbehörde im Landratsamt. Die Behörde weist aber darauf hin, dass die für den Behelfsbau nötige wasserrechtliche Genehmigung keine Bündelungswirkung habe.
Ziel: Wiederaufbau der Brücke bis Mitte 2018

„Das heißt, alle weiteren notwendigen Genehmigungen sind durch die Verwaltungsgemeinschaft beziehungsweise die Gemeinde selbstständig einzuholen.“

Im Klartext: Crossen selbst hätte, gegebenenfalls mit Unterstützung der VG, den Abriss des Denkmals und den Bau einer Behelfsüberfahrt über den Floßgraben zuvor klären müssen. Die Wasserbehörde im Umweltamt sieht sich nicht in der Pflicht. Denn: „Eine Beteiligung weiterer Behörden beziehungsweise Träger öffentlicher Belange ist in wasserrechtlichen Verfahren gemäß Paragraph 79 des Thüringer Wassergesetzes nicht vorgesehen.“

Nach der Stellungnahme der Gemeinde an die Untere Denkmalbehörde soll es „zeitnah im Landratsamt mit den beteiligten Fachämtern, mit der Gemeinde als auch mit Vertretern des Floßgrabenvereins einen Termin geben, bei dem die weitere Vorgehensweise beraten wird“, teilt das Landratsamt weiterhin auf OTZ-Nachfrage mit. Die Untere Denkmalschutzbehörde hat die Absicht, der Gemeinde eine Frist zum Wiederaufbau bis Mitte 2018 zu setzen.

Wie das gelingen kann, ist bisher offen, räumt der Bürgermeister ein. Denn ein Zuschuss vom Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung (ALF) ist vorerst nicht zu erwarten. Grund dafür sind die noch nicht abgeschlossenen Hochwasserschutzplanungen des Landes an der Weißen Elster, die den Ländlichen Wegebau zwischen Elsterfloßgraben und Fluss tangieren.

Deshalb habe die Gemeinde ihren Förderantrag für den weiteren Ländlichen Wegebau und den damit verbundenen Wiederaufbau der im Vorjahr abgerissenen Floßgrabenbrücke vorerst zurückgezogen. Weder ländlicher Weg noch die Brücke werden damit in diesem Jahr – entgegen bisheriger Pläne – gebaut

Ob die von ihm erhoffte Unterstützung von der Kiesabbaufirma für den Wiederaufbau der Floßgrabenbrücke kurzfristig kommt, ist auch noch nicht absehbar. Der Kiesabbau ist zeitlich in weite Ferne gerückt. Beim Termin aller Beteiligten vor einem Monat im Landesverwaltungsamt wurde festgestellt, dass vor einem Planfeststellungsverfahren zunächst die Prüfung mit einem Raumordnungsverfahren für das Gebiet bei Ahlendorf notwendig sei. Das ist bisher noch nicht eröffnet worden. Das könne erst geschehen, wenn die Unterlagen des Vorhabenträgers vollständig vorliegen würden. Das Raumordnungsverfahren solle nach seiner Eröffnung innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen werden, hieß es vor wenigen Tagen in einem Schreiben aus dem Thüringer Landesverwaltungsamt.

Uwe Berndt hofft dennoch. Denn sowohl für den Bau des Hochwasserschutzes wie auch für den späteren Kiesabbau sei eine tragfähige Zufahrt über den Floßgraben in Richtung Weiße Elster notwendig. Die sanierte, denkmalgeschützte Floßgrabenbrücke Nummer 1 am Floßhaus wird es kaum sein, deren Tonnage ist auf 3,5 Tonnen begrenzt.

OTZ Angelika Munteanu / 24.08.17



Kommentar: Der Ton macht die Musik

Eigentlich könnte es ein Bürgermeister recht einfach haben. Wenn er über wesentliche Dinge, die in seiner Gemeinde vorgehen oder vorgehen sollen, beizeiten öffentlich informiert. Dafür sind Ratssitzungen gut geeignet. Die könnten dann auch viel Zulauf von Gästen haben, wenn diese wissen: Dort erfährt man was Neues und hier geht es transparent und offen zu.
24. August 2017 / 02:59 Uhr

Das würde viel Ärger ersparen im Umgang miteinander und dem Bürgermeister mit seinen Bürgern. Auch in Crossen. Nicht, dass dort der Bürgermeister gar nichts berichten würde. Aber Uwe Berndt will halt gefragt werden, wenn er was erzählen soll. Das setzt aber voraus, dass der Bürger weiß, dass es irgend etwas gibt, wonach er meint, fragen zu müssen. Also brodelt erst einmal die Gerüchteküche, die dann Fragen hochkocht, die die Bürger unbedingt an den Mann – sprich: an ihren Bürgermeister – bringen wollen. Sei es zum Abriss der denkmalgeschützten Floßgrabenbrücke und ihrem Wiederaufbau. Oder zum geplanten Kiesabbau bei Ahlendorf. Und die Wut über das Gefühl, nicht beizeiten informiert worden zu sein, kocht dann gleich mit hoch – vor allem bei den Betroffenen. Und das bis zum Überschäumen.

Der gute Ton macht‘s. Nicht nur in Crossen. Dann könnte sich mancher Bürgermeister die Bürgerwut ersparen.
Angelika Munteanu / 24.08.17
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Crossen/Ahlendorf: Brückenstreit dauert an

Beitragvon jhmatz » 29.08.2017, 07:58

Crossener Bürgermeister sieht sich im Gemeinderat Fragen ausgesetzt – und übernimmt einen Teil der Verantwortung.

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Ahlendorfer Anwohner sind sauer, dass die Floßgrabenbrücke Nummer 3 nicht auf die gleiche Weise saniert wurde wie Nummer 1. Archivfoto: Munteanu

Crossen. Die Diskussion um die abgerissene Floßgrabenbrücke beschäftigt die Crossener weiterhin – den Gemeinderat eingeschlossen. Erneut waren Einwohner aus dem Ortsteil Ahlendorf gekommen, um sich kundig zu machen. Sie zeigten sich enttäuscht darüber, dass die Gemeinde sich nach ihrem Dafürhalten herausreden wolle und die Verantwortlichkeit für den Abriss ohne Genehmigung der Denkmalschutz-Behörde zwischen Gemeinde und Unterer Wasserbehörde hin- und hergeschoben werde, sagte Anwohner Herbert Zimmermann.

Die Ahlendorfer wollen die Brücke in jedem Fall zurückhaben. Wer nun tatsächlich geradestehen wird, bleibt vorerst unklar. Für Verwunderung sorgte auch die Tatsache, dass die Gemeinde ihren Antrag auf Förderung des ländlichen Wegebaus zurückgenommen hatte.

Gemeinderatsvorsitzender Jens Lüdtke, im Hauptamt Chef des Amtes für Landentwicklung und Flurneuordnung, hatte im Gemeinderat zuvor gesagt, einer Förderung von bis zu 65 Prozent der Investitionssumme stehe bei einem Antrag nichts im Weg.

Dass die Brücke abgerissen worden war, dafür bat derweil Crossens Bürgermeister Uwe Berndt (Linke) um Entschuldigung. Er habe gewusst, dass der Flutgraben ein Denkmal ist, verwies aber darauf, dass ein Ingenieurbüro im Auftrag der Gemeinde sich um alles notwendige habe kümmern sollen. Dass das Vorgehen lückenhaft war, sei bedauerlich. Zugleich verwies der Bürgermeister jedoch darauf, dass der Ersatzbau nur eine vorübergehende Lösung darstelle. Tatsächlich solle der jetzige Zustand nicht von Dauer sein.

Mit der Übergangslösung tun sich allerdings etliche Anwohner schwer – besonders mit Blick auf den Hochwasserschutz. Dass nur zwei große Rohre unter der Straßendecke das Wasser von einer Seite zur anderen fließen lassen, könne am Ende zu einer Verstopfung führen, wonach Ahlendorf im Krisenfall zügig unter Wasser stünde, so die Anwohner.

Ihr Vertreter Jürgen Fuchs hat dem Bürgermeister daher eine Liste mit Fragen zukommen lassen, in der es um den Wegebau und den Hochwasserschutz geht. Bis zum Donnerstag der kommenden Woche hat Uwe Berndt eine Antwort zugesichert. Gemeinderatsvorsitzender Lüdtke indes hielt die Bürgerfragen kurz – sonst wäre die Debatte um den Nachtragshaushalt wohl kaum zustande gekommen.

OTZ Florian Girwert / 29.08.17
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Lösungen statt Schuldfrage

Beitragvon jhmatz » 29.08.2017, 08:01

Martin Hauswaldüber richtiges Verhalten, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, wie jetzt in Crossen Die Geschichte zur widerrechtlich abgerissenen Brücke in Crossen lässt sich wohl am besten mit ...

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Die Geschichte zur widerrechtlich abgerissenen Brücke in Crossen lässt sich wohl am besten mit den Worten der Band „Die Fantastischen Vier“ zusammenfassen: „Sie ist weg!“

Diese Feststellung wirft selbstverständlich die Frage auf, wer hat da an welcher Stelle nicht aufgepasst und wer trägt die Verantwortung für die Misere, aus der die Stadt im Augenblick nicht herauskommt. Fragen, die es in der nächsten Zeit sicherlich ausführlich zu diskutieren gilt. Am Ende wird jemand sagen müssen, hier lag der Fehler. Immerhin kommen mit dem Abriss auch erhebliche Kosten auf die Gemeinde zu.

Allerdings darf bei allen Schuldzuweisungen nicht das eigentliche Ziel aus den Augen verloren werden. Nämlich schnellstmöglich eine Lösung für das Problem zu finden. Die Befürchtungen der Ahlendorfer sind sicherlich nicht unbegründet, dass das derzeitige Brückenprovisorium für ihre Gemeinde zur Gefahr werden kann, wenn das nächste Hochwasser kommt. Hier ist eine schnelle Lösung gefragt. Und bis die gefunden ist, sollten alle Schuldzuweisungen einmal ruhen. Es besteht ein offensichtliches Problem, und dafür müssen die Entscheidungsträger eine Lösung finden. Wenn die Ahlendorfer vor der Elster geschützt sind, wird noch genügend Zeit sein, um den Schwarzen Peter hin und her zu reichen. So viel dürfte sicher sein.

OTZ Martin Hauswald / 29.08.17
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Weltkulturerbe zieht in Crossen ein

Beitragvon jhmatz » 22.09.2017, 07:18

Am Thüringer Abschnitt des Elsterfloßgrabens hat der Förderverein erstmals zum Schauflößen eingeladen

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Erstmals Schauflößen am denkmalgescghützten elsterfloßgraben in Crossen . Der Förderverein Elsterfloßgraben für Mitteldeutschlands längstes Baudenkmal hat dazu Mitglieder der arbeitsgemeinschft Natur aus der Grundschule im Ort zu Gast. Das Schauflößen will der Verein künftig allen Interessierte anbieten . Die Flößerei ist immatrielles Unesco - Weltkulturerbe Foto: Angelika Munteanu

Crossen. Die kleinen Floßknechte sind begeistert. „Das ist cool“, sagt Tim (9), nachdem er gemeinsam mit anderen aus der Arbeitsgemeinschaft Natur einen Scheit Holz mit einer hakenbewehrten Stange aus dem Elsterfloßgraben in Crossen geholt hat. Erstmals hat der mitteldeutschlandweit organisierte Förderverein Elsterfloßgraben in Crossen am alten Floßhaus ein Schauflößen veranstaltet gemeinsam mit den Kindern aus  der AG Natur der Crossener Grundschule. Der Vorsitzende Frank Thiel aus Magdeburg, Thomas Klöpfel aus Zeitz und Hartmut Wunderlich, der Herr des alten Floßhauses in Crossen, erzählten den kleinen Flößern davon, dass der Floßgraben im 16. Jahrhundert gebaut wurde, damit Holz zum Bauen und Verbrennen aus den Wäldern des Vogtlandes bis in die Großstädte Halle und Leipzig auf dem Wasserweg transportiert werden konnte. Drei Jahre sei zu jener Zeit ein Stück Holz unterwegs gewesen, erzählte Thiel. Nachts seien die Stämme und Scheite von den Flößern aus dem Wasser geholt und auf den Holzplätzen entlang des Elsterfloßgrabens sicher gelagert worden, um den begehrten Brenn- und Baustoff vor Dieben zu schützen.

Den Umgang mit den langen Flößerstangen hatten die Kinder nach einer kurzen praktischen Vorführung am Wasser neben dem alten Floßhaus schnell raus. Geschickt angelten sie mit den Hakenstangen die Holzscheite aus dem Graben, um sie gleich wieder hineinzuwerfen für einen nächsten Versuch. Die Geschicklichkeit der Floßknechte wurde belohnt: Jedes der Kinder erhielt vom Förderverein eine Urkunde darüber, dass er sich als Flößer-Lehrling qualifiziert hat.

Crossen wieder auf dem Weg zur Flößergemeinde

„Das soll erst der Anfang sein“, sagt Frank Thiel, der Fördervereinschef, nach dem ersten Schauflößen in Crossen. Das Handwerk der Flößerei, das mit der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ausgestorben war, ist vor drei Jahren zum immateriellem Unesco-Kulturerbe erhoben worden. „Das will unser Förderverein pflegen“, sagt Thiel. Und der Elsterfloßgraben als das längste Baudenkmal in Mitteldeutschland soll wieder in den Blick der Öffentlichkeit gerückt werden – für den Denkmalschutz wie für den Naturschutz. An anderen Abschnitten des einst 77,5 Kilometer langen Wasser-Wirtschaftsweges von Crossen bis nach Leipzig und Halle ist die Tradition bereits wieder belebt worden. In Crossen, am kurzen Thüringer Abschnitt, ist der Anfang gemacht. Vor allem als touristische Attraktion sollen künftig für alle Interessierten solch Schauflößen veranstaltet werden. Und mit wieder geöffneten Wegen parallel zum Floßgraben soll für Wanderfreunde ein Angebot geschaffen werden – als Denkmalroute, Naturschutzpfad und Erholungsweg. Dem Projekt Flößergemeinde Crossen, das Teil des regionalen Entwicklungsplanes für das Elstertal ist, soll in den nächsten Jahren Leben eingehaucht werden. Auch ein Holzplatz wie in alter Flößerzeit ist in der Überlegung.

Gemeinsam mit dem Verein Ländliche Kerne in Crossen/Nickelsdorf sei über das Schauflößen hinaus auch ein Vortrag geplant über den Elsterfloßgraben, seine Bedeutung und Geschichte und über das Kulturerbe der Flößerei, kündigt der Fördervereinsvorsitzende an.

„Interesse gibt es auf alle Fälle bei den Leuten“, wissen die Bewohner des Floßhauses in Crossen zu berichten. Vor allem an den Wochenende stünden oftmals fremde Gäste im Hof, um sich zur Geschichte des alten Hauses und des Floßgrabens zu erkundigen. Und darüber können Hartmut Wunderlich und seine Frau viel erzählen. Denn Claudia Ewald ist die Enkeltochter des letzten Floßmeisters am Floßgraben in Crossen.

OTZ Angelika Munteanu / 22.09.17


Angelika Munteanu über hehre Ziele im Elstertal

Bis zum Jahr 1864 wurde Brenn- und Bauholz durch den Elsterfloßgraben aus dem Vogtland bis nach Leipzig und Halle geflößt. Mit der Industrialisierung war der im 16. Jahrhundert entstandene Wirtschaftsweg an der Weißen Elster Geschichte.
22. September 2017 / 02:57 Uhr

Der in Zeitz ansässige Förderverein Elsterfloßgraben als Wächter über Mitteldeutschlands längstes Baudenkmal will nun auch in Crossen die alte Tradition des Flößens wieder aufleben lassen. Als unterhaltsame Freizeitbeschäftigung mit den großen Nebeneffekten Denkmal- und Naturschutz und Bewahren eines Stücks Geschichte, das vor drei Jahren auf die Liste des immateriellen Unesco-Kulturerbes gehoben wurde.

Crossen und der Förderverein haben nach dem ersten Schauflößen weit mehr vor: Die Entwicklung des Ortes, in dem der Elsterfloßgraben den Ursprung hat und der am kurzen Thüringer Teilstück des alten, 77,5 Kilometer langen Geflechts von Wasserwirtschaftswegen liegt, wieder zu einer Flößergemeinde zu entwickeln. Das Projekt als Teil der Regionalentwicklung im Elstertal ist ehrgeizig und der Weg bis dahin weit. Aber der Anfang ist gemacht mit dem ersten Schauflößen am alten Floßhaus in Crossen.

OTZ Angelika Munteanu / 22.09.17
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Teilstück des Floßgrabenwegs freigelegt

Beitragvon jhmatz » 06.11.2017, 11:40

Ahlendorfer Bürgerinitiative will Geschichte lebendig machen.

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Helmut Wunderlich rückt mit einer Benzin-Sense dem Gestrüpp neben der alten Floßgrabenbrücke in Ahlendorf zu Leibe. Foto: Frank Kalla

Crossen. Helmut Wunderlich setzt den Schutzhelm ab, wischt sich einige Schweißperlen aus dem Gesicht und blickt zufrieden auf das Erreichte. Ist es ihm doch gemeinsam mit einigen anderen Mitstreitern der Bürgerinitiative Ahlendorf zur Förderung des Wiederaufbaus der Floßgrabenbrücke gelungen, zwischen der Floßgrabenbrücke Nummer 2 und 3 entlang des Gewässers einen gut zwei Meter breiten und 450 Meter langen Weg durch das Gestrüpp freizulegen. „Einfach war es nicht“, sagt Lungenarzt Wunderlich, der mit seiner Familie das Floßmeisterhaus in Crossen bewohnt und der auch Mitglied des Elsterfloßgrabenvereins ist.

Stück für Stück wollen Ahlendorfer und Crossener die Geschichte des Bauwerks wieder lebendig machen. Dazu sei es aber erst einmal erforderlich, den alten Elsterfloßgraben wieder begehbar zu machen, sagt Wunderlich. Die Freilegung des Weges sei ein erster Schritt, um die Geschichte der Flößerei den Menschen wieder nahe bringen zu können.

Noch heute gilt der Floßgraben, der von Crossen bis nach Leipzig führt, als eines der bedeutendsten technischen Bauwerke des 16. Jahrhunderts. Er sicherte Sachsen mehr Reichtum als es der Silber-Erzbergbau vermochte.

Hauptgrund der Anlage des Kanals – so ist es bei Wikipedia nachzulesen – war der Wunsch des Kurfürstentums Sachsen nach einer eigenen Salzproduktion. Diese geschah in Salinen durch Eindampfen von Sole in großflächigen Pfannen, wozu als Brennmaterial Holz verwendet wurde. Eine für diesen Zweck vorgesehene Solequelle befand sich in Poserna östlich von Weißenfels. Das Holz dazu sollte aus dem Vogtland kommen.

In den Jahren 1578 bis 1580 ließ deshalb Kurfürst August I. von Sachsen nach Plänen von Martin Planer und unter der Bauleitung von Christian Kohlreiber einen Floßgraben anlegen, der mit Wasser der Weißen Elster gespeist zur Rippach führen und so das Holzflößen bis nach Poserna ermöglichen sollte. Der Abzweig von der Elster lag zunächst beim heute zu Wetterzeube gehörenden Pötewitz, wurde aber rund 100 Jahre später drei Kilometer flussauf nach Crossen verlegt. Das künstliche Gewässer hatte eine Breite von etwa drei Metern an der Oberkante und einen Meter am Boden. Seine Länge betrug 77,5 Kilometer bei einem Höhenunterschied von nur 25 Metern. Das Gefälle im Oberlauf war mit zirka zwei Zentimetern pro 100 Meter noch geringer. Zu dem Bauvorhaben gehörten auch zahlreiche Brücken (zunächst aus Holz, später Stein, 1780 waren es 81), Über- und Unterquerungen kleinerer Wasserläufe oder ihre Einbindung, Leit- und Auffangrechen für das Holz, Abschlagstellen (Ableitung von Hochwasser) und bei entsprechendem Geländeprofil (Floßgraben im Auftrag) auch Deiche. Neben dem Salinenbetrieb hatte die Holzflößerei auch Bedeutung für die Brennholzversorgung der Städte.

„Die Flößerei sicherte mehrere Jahrhunderte lang das Auskommen von hunderten Familien“, erzählt Wunderlich. Erst um 1820 herum sei die Flößerei zum Erliegen gekommen. „Dabei gibt es ein Foto, das um 1860 entstanden ist, wo zu sehen ist, dass zu dieser Zeit Holz im Floßgraben transportiert wurde“, ergänzt Jürgen Fuchs aus Ahlendorf, der am Sonnabend mit einem Balkenmäher dafür sorgte, dass man sich einen Weg durch das Gestrüpp bahnen konnte.

Auch ihm liegt am Herzen, dass es beherzten Bürgern gelingt, den Floßgraben touristisch erlebbar zu machen. „Wir sind dankbar, dass die Gemeinde und die zuständigen Behörden dem Anliegen positiv gestimmt sind“, sagt Wunderlich. Fuchs hofft indes, dass man vielleicht mittelfristig Geld zusammenbekommt, die abgerissene Floßgrabenbrücke in denkmalgerechter Art wieder aufzubauen. Wichtig sei aber erst einmal, dass ein Anfang gemacht wird, betont er und verweist auf die Schneise neben dem Graben. „Weitere Arbeitseinsätze haben wir schon geplant.“

OTZ Frank Kalla / 06.11.17
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10.11.2017 - Arbeitseinsatz abgesagt

Beitragvon jhmatz » 10.11.2017, 08:08

10. November 2017 / 01:01 Uhr

Crossen. Die für den kommenden Samstag und weitere Wochenenden geplanten Arbeitseinsätze am Elsterfloßgraben in Crossen sind vorerst ausgesetzt. Morgen wird also nicht in Ahlendorf gearbeitet. Darüber hat der Förderverein Elsterfloßgraben informiert. Gründe dafür sind zum einen das absehbar schlechte Wetter und zum anderen Anwohnerbeschwerden. Diese müssten erst abgeklärt werden, heißt es.

Am vorigen Samstag hatten Bürger begonnen, den begleitenden Weg am Floßgraben zwischen den Brücken 2 und 3, der zugewuchert ist, in einem Arbeitseinsatz wieder freizulegen. Geplant ist, den Weg im Gebiet der Gemeinde Crossen am denkmalgeschützten Elsterfloßgraben für Wanderer durchgängig wieder herzurichten. Das Vorhaben müsse nun warten, bis die Klärung erfolgt ist, bedauern die Akteure.

OTZ / 10.11.17
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Crossen: Floßgraben für Tourismus und Hochwasserschutz

Beitragvon jhmatz » 11.03.2018, 16:17

Förderverein für Mitteldeutschlands längstes Baudenkmal hat große Pläne für dieses Jahr

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Der wiedergewählte Vorsitzende des Floßgrabenfördervereins, Frank Thiel, am Floßgraben in Crossen. Das im Vorjahr erstmals veranstaltete Schauflößen soll im Sommer zu einer Ferienfreizeit, gemeinsam mit dem Verein Ländliche Kerne, erneut stattfinden. Foto: Angelika Munteanu

Crossen/Zeitz. Der Floßgraben, der in Crossen von der Weißen Elster abzweigt und einst durchgängig als Wirtschaftsgewässer bis Leipzig und Halle führte, soll in Zukunft wieder durchgängig Wasser führen. Begleitet von überregionalen Rad- und Wanderwegen. Das hat sich der länderübergreifende Floßgrabenförderverein für das technisch und kulturgeschichtlich einzigartige Bauwerk zur Aufgabe gemacht.

Auf der Jahreshauptversammlung in dieser Woche in Zeitz ist dafür eine Nutzungsvereinbarung mit dem Land Sachsen-Anhalt unterzeichnet worden. Der Vertrag soll „der touristischen Entwicklung des Elsterfloßgrabens und dem Erhalt des Landschaftsbildes dienen“. Entsprechend hat der Verein die Vorhaben für 2018 und die nächsten Jahre festgelegt. Um dem großen Ziel, der Durchgängigkeit des im 16. Jahrhundert für die Bau- und Brennholz-Flößerei künstlich errichteten Gewässerlaufs näher zu kommen, soll in diesem Jahr der wasserführende Abschnitt von Thüringen bis in Höhe Bahnhof Haynsburg in Sachsen-Anhalt verlängert werden.

„Bisher sind es sieben Kilometer von Crossen bis Schkauditz, die geplant um weitere drei Kilometer verlängert werden sollen“, sagt der in Magdeburg beheimatete Frank Thiel, der auf der Jahreshauptversammlung als 1. Vorsitzender des Fördervereins wiedergewählt wurde. Bis Profen will der Verein in den nächsten Jahren den Gewässerlauf sichern. Solange der Tagebau dort aktiv ist, gibt es dort den Floßgraben. Die Befürchtung: „Wenn der Tagebau den Betrieb einstellt, ist das Wasser weg.“ Das soll verhindert werden.

Thiel ist optimistisch, dass es auch in Crossen, wo der historische Elsterfloßgraben Wasser trägt, gelingen wird, den Kanal zu entschlämmen. Anders als in Sachsen-Anhalt und Sachsen ist der Beginn des Floßgrabens in Thüringen ein Gewässer zweiter Ordnung. Zuständig ist damit nicht das Land, sondern die Gemeinde. Die Unterstützung des Floßgrabenvereins ist zugesichert. „Wir haben schon viel gemacht am Floßhaus und an der sanierten Floßgrabenbrücke Nummer 1“, erinnert Thiel.

Im Regionalen Entwicklungskonzept für das Elstertal ist auf Crossener Flur vorgesehen, einen Floßplatz einzurichten, wie es diese entlang des Grabens in der Geschichte gegeben hatte. Heute als Platz für Veranstaltungen, insbesondere fürs Schauflößen. „Das wollen wir 2018 anpacken.“ Das Schauflößen war in Crossen im vergangenen Jahr für Kinder wiederbelebt worden und soll in diesem Jahr in einer Ferienfreizeit gemeinsam mit dem Verein Ländliche Kerne weitergeführt werden. „Damit wollen wir das immaterielle Kulturerbe der Flößerei pflegen“, erläutert Thiel.

Für Crossen ist der Floßgraben – trotz des kommunalen Pflegeaufwandes, für den das Geld fehlt – ein wichtiger kulturhistorischer und touristischer Faktor. Immerhin sind sechs der 28 Fördervereinsmitglieder aus Crossen. Auch die Gemeinde ist Mitglied im Verein. Der Vorsitzende des Floßgraben-Fördervereins ist sich aber sicher, dass es in Zukunft am Floßgrabenabschnitt in Thüringen nicht ohne das Land gehen wird. Er verweist auf die Hochwasserschutzpläne des Landes und das Angebot der Planer, den Ortsteil Ahlendorf mit einem Schutzdeich zu umbauen. „Damit würde der Floßgraben zwischen Bahndamm und Deich zum Flutgraben“, meint Thiel. Deshalb sei es sinnvoll, wenn das Land den Floßgraben in seine Hochwasserschutzplanung mit einbeziehen und sich um den Gewässerabschnitt kümmern würde, wenn der Deich für Ahlendorf kommen sollte.

Am 27. März um 18 Uhr findet die nächste Informationsveranstaltung zum Hochwasserschutz an der Weißen Elster in Crossen statt. Bis dahin sollen sich die Ahlendorfer entscheiden, ob sie den Deich wollen. Dann will der Förderverein mit dem Land das Thema Floßgraben und Elsterhochwasser weiter diskutieren.

OTZ Angelika Munteanu / 10.03.18


Der Floßgrabenförderverein und ein Auszug aus seinen Plänen
10. März 2018 / 01:01 Uhr

Aus dem Jahresprogramm:

15. April in Zeitz, 11. Tag der Industriekultur in Sachsen-Anhalt mit Führungen im Elsterfloßgraben 13, 15 Uhr

1. Mai Zeitz-Salsitz-Schkauditz-Trebnitz, Anradeln an der Weißen Elster

Vorträge im Schwalbenhof in Crossen/Ahlendorf 5, 07613 Crossen an der Elster

Im Juli Projekttage Elsterfloßgraben im Rahmen von Schülerfreizeiten in Crossen

26. August Floßgrabenwanderung Wetterzeube- Crossen

9. September Tag des offenen Denkmals mit dem Förderverein Elsterfloßgraben

3. Oktober Zeitz-Salsitz-Schkauditz-Trebnitz, Abradeln an der Weißen Elster

Neugewählter Vorstand:

1.Vorsitzender Frank Thiel (Magdeburg), 2.Vorsitzender Reinhard Sträßner (Zeitz), Schatzmeister Jens Elle (Schkauditz), Schriftführer Max Linke (Weißenfels), Beisitzer Thomas Karkein (Koßweda), Kassenprüfer Martin Bierbrauer (Eisenberg) und Christian Nitsch ( Taupadel)
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