Kampf gegen Waschbären

Dieser Teil des Forums ist für allgemeine Diskussionen rund um Crossen gedacht.

Kampf gegen Waschbären

Beitragvon jhmatz » 26.04.2017, 07:24

Vergeblicher Kampf gegen Waschbären im Saale-Holzland

Die Jägerschaft Eisenberg setzt auf das „Grüne Abitur“ und das Vermeiden von Wildschäden

Bild
Mit dem schönsten Geweih in der Jägerschaft Eisenberg: Der Vorsitzende Roland Dytrych in der Trophäenschau der Jäger in der Region in und um Eisenberg. Der Besitzer der Trophäe, Jörg Nöhring vom Hegering Langetal/Thalbürgel, erhielt dafür eine Goldmedaille. Foto: Angelika Munteanu

Eisenberg. "Die Waschbären sind nicht mehr beherrschbar", stellt Roland Dytrych, der Vorsitzende der Jägerschaft Eisenberg, fest. Etwa in Bürgel oder auch in Eisenberg seien sie von Jägern mit geübtem Blick längst gesichtet worden.. Mit dem Fuchs sei es ähnlich. "In Jena und in Hermsdorf hat inzwischen jede Straße ihren Fuchs", weiß der versierte Waidgenosse zu berichten.

Der Kampf dagegen sei eigentlich verloren. "Die Ortschaften sind befriedete Gebiete", erläutert Dytrych. Das heißt: Die Wildtiere dürfen dort nicht geschossen werden. Und das würden sie sich sehr wohl merken und sich deshalb zunehmend in bewohnte Gebiete zurückziehen. Zumal die Futterversorgung dort für sie auch weit komfortabler wäre als auf freier Wildbahn. "Es stehen genug Kübel herum, deren Inhalt für die Tiere verlockend und leicht erreichbar ist." 297 Füchse seien im vorigen Jahr erledigt worden, zog Dytrych zur jüngsten Mitgliederversammlung der Jägerschaft Eisenberg die Bilanz. Die wachsende Population an Waschbären auf freier Wildbahn einzudämmen, lasse das Gesetz zwar inzwischen zu. "Das ist aber viel zu spät gekommen", sagt der Chef der Jägerschaft. Auch über die Brut von Uhus und Milan hätten sich Waschbären in der Region bereits hergemacht.

Den Waschbär als Nahrungsmittel anzupreisen, hatte die Jägerschaft auf ihrem Fest zum 25-jährigen Bestehen im Vorjahr versucht. Aber Waschbär am Spieß sei offenbar doch nicht jedermanns Sache. 298 Waschbären wurden in den zurückliegenden Saison vor allem gefangen, zum Teil auch geschossen.

Die Novelle des Jagdgesetzes machten den Jäger in und um Eisenberg zu schaffen. "Es gibt viel Unsicherheit", sagt Dytrych. Die aus Sicht der Jäger notwendige Fuchsjagd stehe "halb auf der Kippe". Ebenso die Ausbildung von Jagdhunden am lebenden Tier. "Wir können einen Hund nicht mit einem Video ausbilden, dazu gehört mehr", sagt der Vorsitzende der Jägerschaft und stellt zugleich fest: "Uns fehlen ausgebildete Hunde mit aktiven Jagdführern." Dass Nachtsichtgeräte nicht zugelassen werden sollen für die Jagd bewertet Dytrych hingegen als positiv. "Das Wild würde ansonsten gar keine Ruhe mehr finden. Nachtsichtgeräte haben mit der Jagd nichts zu tun."

Verstärkte Waffenkontrollen bereiten der Jägerschaft Eisenberg keine Sorge. "In den vergangenen Jahren hat es bei uns keine Vorkommnisse gegeben und unsere Waffen sind alle ordentlich unter Verschluss."

Schwerpunkt auf der jüngsten Mitgliederversammlung der Jägerschaft Eisenberg war die Jagdhegeausbildung. In den 25 Jahren ihres Bestehens wurden 420 Teilnehmer gezählt. Ausgebildet wird gemeinsam mit den Jägerschaften von Jena und Stadtroda. Die jeweils fast ein Jahr dauernde Ausbildung für das "Grüne Abitur" der Jäger übernimmt die Jägerschaft selbst. In der Prüfungskommission sitzen Vertreter der Unteren Jagdbehörde und aus dem zuständigen Ministerium. Neu in der Prüfungsordnung sei unter anderem die Wildbret-Hygiene, erläutert Dytrych. "Die ist wichtig, denn wir Jäger produzieren Nahrungsmittel".

Das Wildbret – Rehwild, Damwild und Schwarzwild – vermarkten die Jäger im wesentlichen selbst. "So viel ist es nicht, um den Handel damit zu beliefern." Einiges geht an die Fleischerei der Agrargenossenschaft Buchheim-Crossen oder nach Gönna beziehungsweise an Gastronomen in der Region.

Auch wenn es manche Umweltschützer anders sehen – die Jäger aus der Region Eisenberg verstehen sich sehr wohl als Naturschützer. Die Jagd sei durchaus ein Mittel, um Wildschäden in der Natur und in der Landwirtschaft möglichst gering zu halten.

Zudem beteiligt sich die Jägerschaft gemeinsam mit der Stiftung Lebensraum an einem Programm, das das Anlegen von Grünstreifen zum Inhalt hat. Sieben Jäger haben bislang in Etzdorf, Hetzdorf und in der Großhelmsdorfer Flur am Rande von Feldern insgesamt zehn Hektar Grünstreifen angelegt. "Das geht mit den Bauern Hand in Hand", sagt Dytrych. Aber die Bürokratie sei groß wegen der Fördermittel.
Angelika Munteanu / 26.04.17 OTZ
jhmatz
 
Beiträge: 1875
Registriert: 27.01.2006, 15:41
Wohnort: Crossen

Zurück zu Allgemeine Themen - Crossen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron