Touristischer Ausbau im Saale-Holzland

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Touristischer Ausbau im Saale-Holzland

Beitragvon jhmatz » 21.11.2018, 11:38

Touristischer Ausbau im Saale-Holzland stockt: Das sind die Problemfelder

Ohne langfristige Investitionen ist die Region nicht zu vermarkten, sagt der Thüringer Tourismusverband Jena-Saale-Holzland – den Kommunen fehlt das Geld


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Jena/Saale-Holzland. Urlaub in der Dominikanischen Republik oder doch in Dornburg-Camburg? Letzteres würde Besitzer von Ferienwohnungen, Gastronomen und Touristiker gleichermaßen freuen. Doch die Übernachtungen im Saaleland sind in der ersten Hälfte dieses Jahres im Vergleich zu 2017 ein Stück zurückgegangen, wenn man die Statistik betrachtet, die die Zahl der Übernachtungen in Häusern mit mehr als neun Betten aufnimmt. Wo also geht es hin mit der touristischen Vermarktung der Saaleregion, welche Probleme gibt es und welche Herausforderung? Wir sprachen zu einzelnen Punkten mit Sylvana Hapke, Geschäftsführerin des Thüringer Tourismusverbandes Jena-Saale-Holzland mit Sitz in Bad Klosterlausnitz.

Radfahren

Der Trend ist da: Immer mehr zieht es aufs Fahrrad oder auf die Wanderwege. Die Radwege sieht Sylvana Hapke gut ausgebaut – abgesehen von einzelnen Lücken wie am Zuckerbahn-Radweg in Camburg, der auf den Saaleradweg treffen soll. Die Planungen dazu laufen, Stellungnahmen wurden geschrieben, um an Fördermittel zu kommen. Doch die Stadt Dornburg-Camburg, die Vorhabenträger ist, habe nur begrenzte Mittel. So müsste eine Saalebrücke errichtet werden, um die Radfahrer über den Fluss zu leiten.

Ein anderes Vorhaben sei, den Alltagsradverkehr von Pendlern und Schülern zu stärken. Stichwort: Klimaschutz. Dafür müsste der Saale-Holzland-Kreis noch im Zuge der Fortschreibung des Radwegekonzeptes einen Ansprechpartner benennen.

Für den Saaleradweg laufen die Marketing-Vorbereitungen für die 25-Jahrfeier 2019. Dazu stünden noch Fördermittel aus.
Wandern

Bei den Wanderwegen gilt: weniger ist mehr. Die Wanderwegekonzeption der Landesregierung sieht vor, dass sich die Regionen auf attraktive Routen konzentrieren sollen. Von den 600 Kilometern Wanderwegen, die es im Saale Holzland gibt, richtet sich der Blick auf ausgewählte: Der Qualitätswanderweg Saalehorizontale, der neue Sparkassen-Rundwanderweg Sommerfrische im Eisenberger Mühltal, der Zeitzgrundweg und gebietsübergreifende Wege wie der Lutherwanderweg und der Fernwanderweg Feengrotten-Kyffhäuser. Die Stadt Jena hat ebenfalls Routen erwählt, die es zu pflegen gilt. Für 2019 ist geplant, einen neuen Rundwanderweg namens „Jagdfieber“ auszuzeichnen. „Die genaue Route wird noch abgestimmt“, sagt Hapke. Das Residenzdorf Hummelshain, die Jagdanlage Rieseneck und die Linzmühle sollen miteinander verbunden werden. Mit Forstbesitzern müsste das Projekt noch abgeklärt werden. Ein weiteres Ziel sei eine thematische Kurztour um die Brehm-Gedenkstätte.

Wassertourismus

Die Saale lockt Kanuten an, die aber auch eine gewisse Infrastruktur fordern: Anlegestellen und Toilettenhäuschen. Um für diesen Markt etwas aufzubauen, bräuchte es Fördermittel – die Gelder laufen aber aus, da der Wassertourismus als Kompetenzzweig nicht mehr in der Tourismusstrategie Thüringen 2025 verankert ist. „Man kann aber Marketingmaßnahmen mit anderen Verbänden fördern lassen“, sagt Hapke. Diese Art der Vernetzung benötige wiederum zusätzliche Kraftanstrengungen.
Missmut & Sparzwänge

Die Crux ist: Wegepflege, Ausbau für den Wassertourismus und Ausschilderungen sind größtenteils Aufgaben der Kommunen und Städte. Selbst Wander-Infotafeln müssen von den Orten gepflegt werden.

„Wir sind als Tourismusverband nicht dazu da, die touristische Infrastruktur zu unterhalten“, erklärt Hapke. Dass dies bei Kommunen zu Missmut führt und Bürger kritisch auf zugewachsene Wege schauen, weiß sie. Eichenberg ist in diesem Jahr aus dem Verband ausgetreten.

„Wir sind eine Solidargemeinschaft und müssen die Entwicklung der Region im Blick behalten. Um die Vermarktung einzelner Orte können wir uns nicht kümmern“, erklärt die Touristikerin. Aus den Städten müssten mehr Eigeninitiativen kommen, „oft fehlt die lokale Struktur, beispielsweise mit einem Tourismusverein und einem Heimatverein“, sagt sie.

Die finanziellen Zwänge in den Kommunen sind ihr durchaus bewusst. Selbst wenn Fördermittel zugesagt werden – beispielsweise für Multifunktionshäuschen mit Toilette an Anlegestellen an der Saale – die Eigenmittel seien vielerorts nicht aufzutreiben. Außer in Jena.

Das Gleiche gilt für die Tourist-Informationen: Eine Vollzeitkraft können sich die Städte abseits von Jena derzeit nicht leisten. Für Tourismus-Verbandschefin Hapke ist der Trend fatal: „Wir müssen investieren in die touristische Infrastruktur, sonst brauchen wir die Region nicht mehr zu vermarkten.“

Eine Tourismusabgabe von touristischen Unternehmen einzufordern, wie es in der Tourismusstrategie Thüringen 2025 steht, hält sie in der Region für nicht machbar.

Der Verband musste seinerseits zum ersten Mal die Mitgliedsbeitrag der Stadt Jena und der anderen Kommunen erhöhen, sie steigen ab 2019 um 11 Cent pro Einwohner und Jahr an. Leistungsträger wie Ausflugsziele und Gastronomen zahlen schon seit 2016 mehr. Die Geschäftsführerin erklärt die Kostensteigerung durch höhere Personalausgaben und Energiepreise.
Der informierte Gast

Infos zu Wander- und Radrouten, zu Bootstouren, Übernachtungsmöglichkeiten und Restaurant sind in Flyern sowie auf dem Tourenportal des Verbandes erhältlich. Broschüren zur Region und den Zimmervermietern sind ebenfalls erhältlich. Für die Pflege von Instagram, Twitter & Co. fehle das Personal, sagt Hapke.

Gastronomie & Unterkünfte

Der Fachkräftemangel schlägt im Gastronomie- und Hotelgewerbe zu. Einige Gasthäuser hätten schon angedroht, ihr Geschäft deswegen aufzugeben, weiß Hapke.

Um erfolgreich zu bestehen, sieht die Touristikern aber auch Nachholbedarf in Sachen Vermarktung. Ein Zimmer über eine Website oder ein Buchungsportal zu reservieren, sei bei einigen Vermietern gar nicht möglich. Ausgefallene Angebote wie der Schäferwagen, in welchem Gäste im Rittergut Nickelsdorf übernachten können, müssten her. Sie lobt auch private Investitionen wie in die Ziegenmühle im Eisenberger Mühltal oder ausgefallene Konzepte wie im Lehmhof Lindig bei Kahla. Der Verband könne nur Tipps für die Servicequalität geben und inspirieren, die Betten müssten die Geschäftsleute selbst gefüllt bekommen.
Tischkultur

Die „Thüringer Tischkultur“ soll traditionelles Handwerk aus den Bereichen Porzellan, Keramik, Holz und Glas mit Kulinarik verbinden. Problem jedoch: Die Förderungen für die Mitarbeiterstellen liefen aus. Eine Projektmanagerin wird aus Eigenmitteln bezahlt.

48 Partner hat die Tischkultur jetzt, Hapke hofft, die magische 50 bis zum Jahresende zu erreichen. Die Mitglieder seien zufrieden mit der Imagepflege. Doch eigentlich sollte die Marke im ganzen Freistaat etabliert werden. Aufgrund personeller Schwierigkeiten bleibt das Projekt vorerst in der Region.

Die Partner würden dazu angeregt, Genussreisen zum Thema zu entwickeln oder das Produkt „Thüringer Tischkult“ – ein Holzbrett mit drei Porzellanschälchen – zu nutzen, um ihre kulinarischen Köstlichkeiten den Gästen anzubieten. Tapas aus Thüringen eben – gern auch mit Kloß. Eine Veranstaltung ist der Genussmarkt auf den Dornburger Schlössern.

OTZ Katja Dörn / 21.11.18
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