Auf den Spuren der Schlossherrin von Crossen

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Auf den Spuren der Schlossherrin von Crossen

Beitragvon jhmatz » 22.11.2014, 21:02

19.11.2014 - 07:13 Uhr
Wer durch Crossen oder an Crossen vorbei fährt, kommt an einem Blick auf das Schloss nicht umhin. Die barocke Schlossanlage steht seit den 1990er-Jahren leer und wurde in den vergangenen Jahren - wenn überhaupt - nur sporadisch genutzt.

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Die heutige Anlage des Schlosses Crossen stammt aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts. Vom Teich in der Ortsmitte aus zeigt das Barockensemble sich von seiner Schokoladenseite. Foto: Julia Schäfer

Crossen. Das Gebäudeensemble stammt aus dem Beginn des 18."Jahrhunderts. Glanzstück sind die Illusionsmalereien im Festsaal. Die Familie von Flemming war für rund 200 Jahre im Besitz des Schlosses, in denen es aber selten bewohnt war.

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Wolfgang Maruschky vom Verein der Freunde und Förderer des Schlosses Crossen. Foto: Julia Schäfer

Seit rund eineinhalb Jahren versucht der Verein der Freunde und Förderer des Schlosses Crossen, sich nun für den Erhalt und eine neue Nutzung der historischen Gebäude einzusetzen. Ein aktueller Termin für die Vereinsmitglieder um Wolfgang Maruschky steht im Januar auf der Agenda. Am 3. und 4. Januar wird der 90. Todestag der letzten Schlossherrin Elisabeth von Heyking begangen. Die Schriftstellerin, eine geborene von Flemming, war die letzte, die bis zu ihrem Tod 1925 dort wohnte. Ihr Ehemann Edmund war Gesandter des Deutschen Reichs unter anderem in China, Indien und Mexiko, von wo Elisabeth allerhand Kunstgegenstände mitbrachte und worüber sie in ihren Büchern schrieb.

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Historisches Porträt von Elisabeth von Heyking. Archivfoto: Ute Rückert

Dazu hat Maruschky den Historiker und Politikwissenschaftler Herward Sieberg eingeladen, der am Sonnabend, 3. Januar, einen Vortrag halten wird. Sie-berg ist Autor des Buchs "Elisabeth von Heyking: Ein romanhaftes Leben". Außer diesem Vortrag sind eine Ausstellung und weitere Programmpunkte im Klubhaus Crossen geplant. Wer zur Ausstellung etwas beisteuern kann, wird gebeten, sich bei Maruschky unter der Telefonnummer (0172) 3677780 zu melden und die Exponate als Leihgabe zur Verfügung zu stellen.

Am Sonntag, 4. Januar, sind ein Gottesdienst und eine Wanderung zum Gedenkstein am Mühlberg geplant. Das genaue Programm steht noch nicht fest, es soll aber in den nächsten zwei Wochen veröffentlicht werden.

Maruschky hat einen großen Teil Heykings Bücher gelesen und findet die Beschreibungen aus fernen Ländern nicht nur historisch interessant. Sie habe eine feine Beobachtungsgabe gehabt, was das damalige Leben in Indien, China oder Mexiko anbelangt, findet er.

Im Schloss, das momentan für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, sind keine Möbel, Teppiche oder ähnliches mehr vorhanden, die Elisabeth von Heyking aus China, Mexiko, Indien und den anderen Einsatzorten ihres Mannes mitgebracht hatte. Das sei alles 1925 versteigert worden, erklärt Maruschky. Der Zustand des Schlosses sei momentan nicht besonders gut, aber so, dass alles noch "revitalisierbar" sei.

"Das Schloss ist wichtig für die Region und ein wichtiges Kunst- und Kulturgut", schätzt Maruschky ein. Der ehemalige Geschäftsführer von Silbitz Guss hat aber auch persönliche Bindungen an das Barock­ensemble: Er ist im Schloss zur Schule gegangen und seine Vorfahren, die Tischler waren, haben dort viel hergestellt.

Das Ziel seines Vereins ist der Erhalt des Schlosses. Die Mitglieder wollen möglichen Investoren einen Weg bahnen, um eine Nutzung für die Gebäude zu finden. "Ziel ist nicht, das Schloss zu kaufen. Erst muss ein Investor her, der Geld und ein Konzept hat", sagt Maruschky. Ein weiteres Ziel sei es, das Erbe zu pflegen, wie jetzt mit der Veranstaltung zum 90. Todestag von Elisabeth von Heyking.

Julia Schäfer / 19.11.14 / OTZ
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Gedenkveranstaltung

Beitragvon jhmatz » 23.12.2014, 12:49

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Einladung zur Gedenkveranstaltung anläßlich des 90. Todestag

Beitragvon jhmatz » 28.12.2014, 10:49

Wir laden alle Interessenten zur Veranstaltung im Klubhaus Crossen ein.

Am 3. Januar 15:30 im Klubhaus Crossen Hauptstraße 13 .

Am 4. Januar findet 10:00 der Gedenkgottesdienst in der Kirche St. Michaelis Crossen
Flemmingstraße 17 statt.
13:30 beginnt am Parkplatz des Rittergutes Nickelsdorf die Wanderung zur Kranzniederlegung an den Gedenkstein auf dem Mühlberg.

Genaueres hier.
http://www.crossen.de/bilder_fuer_forum ... tung23.pdf
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Re: Auf den Spuren der Schlossherrin von Crossen

Beitragvon jhmatz » 04.01.2015, 11:58

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Autorin, Diplomatenfrau und letzte Schlossherrin in Crossen
03.01.2015 - 06:01 Uhr
Heute und morgen wird in Crossen einer bedeutenden Frau gedacht: Elisabeth von Heyking war die letzte Herrin auf Schloss Crossen. Sie starb am 4. Januar vor 90 Jahren.

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Herward Siebert hat ein Buch über Elisabeth von Heyking, letzte Schlossherrin von Crossen, geschrieben. Er hält am 3. Januar einen Vortrag im Klubhaus. Foto: Julia Schäfer

Crossen.
Die Gedenkfeierlichkeiten beginnen heute um 14.30 Uhr im Klubhaus Crossen. Ab 15.30 Uhr sind zwei Gastvorträge über das Schloss und seine letzte Herrin geplant. Herward Sieberg spricht über Elisabeth von Heyking, es folgt ein kulturhistorischer Abriss zum Schloss von Friederike Böcher

Siebert ist promovierter Historiker und habilitierter Politikwissenschaftler. Er lehrte bis 2007 Politikwissenschaft am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim. Er ist Autor der umfangreichen Biografie "Elisabeth von Heyking - Ein romanhaftes Leben" aus dem Jahr 2012. Rund 15 Jahre arbeitete er an dem Buch. Es ist die erste große Biografie über die Schriftstellerin, weit gereiste Diplomatengattin und letzte Schlossherrin Crossens. Sieberg lebt seit seiner Emeritierung in Mannheim.

Professor Sieberg, Sie gaben der Biografie von Elisabeth von Heyking den Untertitel "Ein romanhaftes Leben". Was machte ihr Leben so "romanhaft"?

Genau so, wie ihr Leben verlief, hätte man es auch als Roman schreiben können. Es sind in ihrem Leben so viele unwahrscheinliche Dinge passiert. Um nur einige zu nennen: Sie verliebte sich als verheiratete Frau in einen anderen Mann, das war damals ein großer Skandal. Sie wurde Witwe mit 22, weil sich ihr erster Mann umbrachte.

Sie war Millionärin und da ihr zweiter Mann zeitweise wenig verdiente, musste sie viel zum Unterhalt der Familie beisteuern. Sie lebte in vielen Ländern in Übersee, über die man damals noch wenig wusste. Und sie war sogar oft die erste deutsche Frau, die diese Orte besuchte. Sie begriff ihre Zeit im Ausland als ungeliebtes Exil, sie hätte viel lieber in Deutschland gelebt, um dort eine gesellschaftliche Rolle zu spielen.

Das Schloss in Crossen erbte sie nur zufällig: Ihr Onkel wollte es ihr wegen des Skandals um ihre erste Ehe nicht vererben. Der nachfolgende Besitzer verstarb jedoch jung und kinderlos und so erhielt sie das Anwesen schließlich doch.

Sie selbst hat in einem Privatbrief sinngemäß geschrieben: "Wenn ich das alles in einem Roman schreiben würde, würde mir einen solchen unwahrscheinlichen Zufall niemand glauben."

In ihrer Position, aus gutem Hause, verheiratet, "schickte" es sich da, Romane zu verfassen?

Es war in Elisabeth von Heykings Familie akzeptiert, dass sie schrieb. Ihre Großeltern waren das berühmte Romantiker-Paar Bettine und Achim von Arnim; eine Urahnin war Sophie de la Roche, die erste Deutsche, die einen Roman geschrieben hat.

Dass sie also ihren Briefroman "Briefe, die ihn nicht erreichten" anonym veröffentlichte, hatte nichts damit zu tun, dass es sich für eine Frau in ihrer Position nicht schickte, Bücher zu schreiben. Vielmehr war das ein Kunstgriff: Sie bewunderte die englische Schriftstellerin Elizabeth von Arnim, die ihre Bücher ebenfalls anonym publizierte. Heykings Geheimnis hielt sich nur wenige Wochen, half aber dabei, das Buch bekannt zu machen.

Heyking war die Enkelin von Bettina von Arnim. In wieweit hat sie das bestärkt, selbst literarisch tätig zu werden?

Das hatte sicherlich einen enormen Einfluss. Obwohl sie ihre Großmutter nie kennenlernte. Bettina von Arnim starb vor ihrer Geburt.

Sind ihre Werke nur noch als historische Dokumente lesbar?

Einige Werke, wie ihr bekanntestes Buch "Briefe, die ihn nicht erreichten" sind sicherlich vor allem zeitgeschichtlich interessant. Das Buch ist eine frühe Kritik am Imperialismus und beschreibt China zur Zeit des Boxeraufstands.

Ihr Roman "Tschun" wäre aber auch heute noch ein tolles Jugendbuch. Es ist aus der Sicht eines chinesischen Jungen geschrieben und liest sich immer noch sehr spannend.

Was hat Sie an Heykings Werk beeindruckt, dass Sie sich 15 Jahre lang mit ihr beschäftigt haben, um ihre Biografie zu verfassen?

Ihre Biografie ist als wissenschaftliches Hobby entstanden. Obwohl ich eine Professur für Politikwissenschaft inne hatte, habe ich in Geschichtswissenschaft promoviert. Die Kolonialzeit hat mich immer beschäftigt. Deshalb habe ich auch ihre "Tagebücher aus vier Weltteilen" gelesen und war fasziniert. Die erste wissenschaftliche Vorlesung über Elisabeth von Heyking habe ich vor 20 Jahren für eine Ringvorlesung vorbereitet - seitdem beschäftige ich mich mit ihr.

Was erinnert heute in Crossen noch an Elisabeth von Heyking?

Das was am Auffälligsten ist: Die Menschen erinnern sich an sie. Ich war zur Recherche für mein Buch vier Mal in Crossen und ich habe das Gefühl, jede Frau und jeder Mann weiß Bescheid und ist stolz, dass sie hier lebte. Sie ist in Crossen und Umgebung eine lokale, ja eine regionale Größe. Schloss Crossen wurde zu ihrer Zeit zu einem intellektuellen Mittelpunkt: Staatssekretäre, Berühmtheiten, unter anderem Thomas Mann, waren hier. Sie hat ein sehr gastfreundschaftliches Haus geführt.

Leider ist ihr Nachlass im Zweiten Weltkrieg vernichtet worden. Aber es gibt trotzdem Quellen in zahlreichen Archiven.

Julia Schäfer / 03.01.15 / OTZ
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Veranstaltung war Erfolg

Beitragvon jhmatz » 04.01.2015, 12:02

Informationen finden Sie unter

www.schloss-crossen.de
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Wertvolle Möbel des Schlosses werden in Leipzig ausgestellt

Beitragvon jhmatz » 14.02.2015, 18:34

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Quelle: faz 4.2.2015
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Lesung zur letzten Schlossbewohnerin

Beitragvon jhmatz » 13.03.2015, 22:04

Lesung zur letzten Schlossbewohnerin in Crossen: Gedanken und Gefühle einer Weitgereisten
13.03.2015 - 05:36 Uhr
Den Namen Elisabeth von Heyking kennt in Crossen wohl fast jeder. Werk und Leben der vor mehr als 90 Jahren verstorbenen letzten Bewohnerin von Schloss Crossen sind aber nur Eingeweihten bekannt.

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Blick auf Schloss Crossen vom Schlossberg aus. Seit 1991 stehen die Gebäude mit ins­gesamt rund 4800 Quadratmetern Nutzfläche leer. Archivfoto: Susann Grunert

Nickelsdorf. Dass sich Ute Rückert mit dem Leben und Werk Elisabeth von Heykings beschäftigt, ist eigentlich ein Zufall: Bei einem Ausflug mit Kindern in den Wald stieß die Mitarbeiterin der Kreativwerkstatt des Vereins Ländliche Kerne in Nickelsdorf auf den Gedenkstein für Heyking und wollte mehr erfahren. Mittlerweile hat sie fast alle Bücher der Autorin gesammelt und gelesen dazu viele weitere Schriften, die sich mit der Geschichte von Schloss Crossen beschäftigen.

„Mir gefällt ihre philosophische Art, Dinge zu reflektieren“, sagt Rückert. Sie schätzt besonders die „Tagebücher aus vier Weltteilen“, ein posthum erschienenes Werk Heykings. Darin beschreibt die Autorin ihre Erlebnisse auf vier Kontinenten. Rückert las am Mittwochabend in der Gutsherrnschenke in Nickelsdorf aus dem Tagebuch Heykings vor und erzählte aus deren Leben.

Die 1861 geborene Elisabeth von Heyking war in zweiter Ehe mit dem preußischen Diplomaten Edmund von Heyking verheiratet. Sie führten ein diplomatisches Wanderleben, das sie auf vier Kontinente führte. 1908 erbte sie von einem kinderlos verstorbenen Vetter das Schloss Crossen, wohin sie sich mit ihrer Familie zurückzog.

„Heyking war 25 Jahre alt, als sie angefangen hat, dieses Tagebuch zu schreiben“, erklärt Rückert. Sie hangelt sich in ihrer Lesung an der Biografie der Autorin entlang. Erzählt, dass deren erste Ehe unglücklich gewesen sei und dass Heyking viel über ihren Schmerz geschrieben habe.

Heyking wollte nicht nur „ein Blümchen am Revers“ ihres zweiten Mannes sein, also nicht nur schmückendes Beiwerk. Sie habe geschrieben, gemalt und sich mit der Situation in ihrer Heimat und den Ländern, in denen sie mit ihrem Mann gelebt hatte, beschäftigt.

Viele Gedanken teilte sie mit ihrem Mann, jedoch nicht alles, da sie ihn nicht mit ihren Sorgen belasten wollte, wie Rückert weiß. „Sie war auf den Reisen oft allein und manchmal schwermütig. Sie schrieb, um ihre Probleme zu verarbeiten.“

Manches von dem, was Heyking aufschrieb, könnte auch heute noch genau so geschrieben werden. Beispielsweise, als sie in Chile von der schweren Krebserkrankung des preußischen Kronprinzen erfuhr, die ihre Umwelt kalt ließ. Sie schrieb: „Die Welt ist so gleichgültig geworden.“ Oder als sie über den Ursprung von Fremdenfeindlichkeit nachdenkt: Sie schreibt, dass je weniger Kontakt Menschen nach außen hätten, umso mehr Fremdenfeindlichkeit entstehe.

Das Unterwegssein, die vielen Orte, an denen sie mit ihrem Mann lebte, für Elisabeth von Heyking war das eine Belastung. Sie vertraute ihrem Tagebuch an: „Mir wäre es lieber, wir hätten ein Gut und könnten einmal im Jahr verreisen.“

Ute Rückert schwärmt von Heykings reflektierter Art, die erstaunlich für eine 25-Jährige sei und über ihre Sprache: So sei die Begegnung mit einem Mann, mit dem sich Heyking getroffen und gut unterhalten habe, eine „geistig-ästhetische Flirtation“. „Das klingt doch viel besser als ein Flirt“, sagt Rückert lächelnd.

Heyking sei jedoch ein Kind ihrer Zeit gewesen. Das werde deutlich, wenn sie sich beispielsweise bei einem Aufenthalt in Italien wundert, dass auch Weiße betteln. In Indien, wo sie damals lebte, waren alle Europäer reich und herrschaftlich. Elisabeth von Heyking schrieb in ihren Tagebüchern auch von Crossen. Als Kind war sie in den Sommerferien dort und habe sich immer wohl gefühlt. „Es war so, als könnte ich alle Trübsal vergessen“, schrieb sie.

Wolfgang Maruschky vom Verein der Freunde und Förderer des Schlosses Crossen sagte, dass die Aufarbeitung des Lebens und Werks Heykings erst ganz am Anfang sei. Der Verein kümmert sich um die Traditionspflege des Schlosses und der Familie Heyking. Außerdem suchen die Mitglieder nach einer Möglichkeit, das Schlosses weiter zu nutzen.

Julia Schäfer / 13.03.15 / OTZ
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Beitrag im Blog des Grassi Museum Leipzig

Beitragvon jhmatz » 01.04.2015, 20:17

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